Mittwoch, 13. Mai 2026

Flora Mundis alias Tom King (Teil 2) – Wie sich Legenden bilden


"Desperado Tom King erschießt einen ihrer Verfolger" – mit dieser markigen Überschrift macht der Guthrie Daily Leader am 17.12.1893 auf die flüchtige Flora Mundis aufmerksam. Tatsächlich tötete sie "nur" einen auf sie angesetzten Bluthund; aber nahm sich der Zeitung nach dennoch die Zeit, noch eine markige Botschaft an ihre Verfolger zu hinterlassen, ehe sie sich erneut absetzte. Von nun an werden die Geschichten über "Tom King" bunter – und je länger sie auf freiem Fuß blieb, unso wildere Blüten trieben die Zeitungsschreiber.


 Hier übrigens der Versuch des "Tribune-Democrat" aus Enid, Oklahoma, am 19.12.1893 mit einem Bild auf die Flüchtige aufmerksam zu machen. Im 19. Jahrhundert war es noch wirklich schwierig, aussagekräftige Bilder in Zeitungen unterzubringen...



 5. Januar 1894: Die Dalton-Doolin Gang, Henry Starr und Tom King werden in einem Atemzug als gefährliche flüchtige Verbrecher im Guthrie Daily Leader genannt. Flora Mundis war mittlerweile so berüchtigt geworden, dass ihr Name immer dann vermutet wurde, wenn Leute der Ansicht waren, eine Frau in Männerkleidung sei an einem Verbrechen beteiligt gewesen. Mehr als Mutmaßungen über ihren Verbleib können allerdings in diesen Monaten nicht angestellt werden.

  



Erst im August 1894 taucht Flora Mundis alias "Tom King" wieder auf – allerdings nicht in Oklahoma, sondern in Kansas. Dort wird sie erneut wegen Pferdediebstahls verhaftet. Den frühesten Vermerk konnten wir im Topeka State Journal (Topeka, Kansas) am 8.8.1894 finden, mehr Details bot allerdings dieser Artikel aus dem Weekly Oklahoma State Capital vom 11.8.  In ihrer Begleitung befindet sich dabei eine gewisse "Ettie McGee" alias Ed Bullock oder "Jessie Whitewings".  Die beiden Frauen sollten sich  bereits aus der Zeit in Oklahoma kennen, before Flora Mundis als "Tom King" Bekanntheit erlangte.

  

Die neuerliche Verhaftung von "Tom King" brachte allerdings, wie unter anderem der Wichita Daily Eagle (Wichita, Kansas) am 16. August 1894 meldete, unverhoffte Komplikationen mit sich; denn allen Umständen nach befand sich die gefasste Banditin im anderen Umständen. Die Zeitung lässt zwischen den Zeilen durchblicken, dass es wohl schwierig werden dürfte einen Richter im Oklahoma Territory zu finden, der bereit sei, eine schwangere Frau zu verurteilen. Am 23. August 1894 heißt es im Davis Progressive (Indian Territory), dass Flora Mundis bis zu einem angesetzten Gerichtstermin gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wurde. "Tom King" nutzte die Gelegenheit, zu verschwinden...und wurde anschließend nicht mehr im Oklahoma Territory gesehen, zumindest nicht offiziell.


 Im Januar 1895 – das genaue Datum für diesen Beitrag haben wir leider versäumt zu speichern – wird die weiterhin flüchtige Flora Mundis im Guthrie Daily Leader als die Anführerin einer "Bande von 13 verzweifelten [in diesem Kontext zu allem entschlossenen] Charakteren" bezeichnet, die die Ostgrenze des.Territoriums unsicher machen und "sie besten Pferde stehlen." Sie reitet wie ein Zentaur und ist ein herausragender Schütze mit Winchester und Revolver", heißt es ferner.

 

Diese Illustration aus dem "Coffeyville Daily Journal" (Coffeyville, Kansas – dem Ort, an dem auch die berüchtigten Dalton-Brüder begraben liegen), in dem eine ähnliche Fassung dieser Geschichte am 26.1.1895 abgedruckt wurde, wollten wir euch ebenfalls nicht vorenthalten.

 

Die Geschichte um Tom King alias Flora Mundis ging schließlich einige Jahre später auf tragische Weise zu Ende. Am 29. Januar 1903 berichtete die Bisbee Daily Review von einem tragischen Vorfall in Clifton, Arizona, bei dem ein unter Drogen stehender Mann namens William Garland in den frühen Morgenstunden des 28. Januar in die Wohnung einer Mrs. Neal, auch bekannt als "China Dot" eindrang und diese tödliche verwundete, Ehe er sich selbst das Leben nahm. "China Dot" erlag einige Stunden später ihren Verletzungen. "Mrs. Neal" hatte sich dem Bericht zufolge seit "etwa 7 Jahren" – also 1894 – in Clifton aufgehalten.

 

Einige Tage später sollte sich die wahre Identität von "China Dot" schließlich klären. Erstmals konnten wir eine entsprechende Verbindung im Oklahoma State Register, in der Ausgabe vom 5. Februar 1903, finden. Demnach sei bestätigt, dass es sich bei "China Dot" alias "Mrs. B.F. Neal" um niemand anderes als Flora Quick Mundis, besser bekannt als "Tom King", gehandelt habe.

Flora Mundis alias "Tom King" (Teil 1) – ein Leben im Schlagzeilen

 In unserer aktuellen Podcast-Folge zu "Flora Quick Mundis", alias "Tom King", alias "China/Chinese Dot" hatten wir versprochen einige unserer Zeitungsfundstücke aus unserer Recherche bereitzustellen, was wir hiermit nachholen. Alle hier gezeigten Beiträge entstammen aus dem "Gateway to Oklahoma History", dem "Arizona Memory Project", oder dem Zeitungsprojekt "Chronicling America" der US Library of Congress.

 


Der früheste Nachweis den wir finden konnten und der explizit auf eine Verbindung zwischen "Tom King, Pferdedieb" und "Mrs. John Mundis" aufweist, stammt vom 24.5.1893 aus dem Oklahoma Times Journal, Oklahoma City. Neben dem Namen ihres Ehemannes wird auch eine Affäre zu einem "Doctor Jordan" in Guthrie erwähnt. Interessant sind vor allem die abschließenden Sätze, in denen behauptet wird Mrs. Mundis sei eine Cherokee, darüber hinaus ein hervorragender Reiter und ein exzellenter Schütze.

 


 Etwa einen Monat später, am 22.6.1893, lassen sich weitere Details zur inhaftierten Mrs. Mundis im Oklahoma Times Journal finden. Neben dem Vornamen wird hier (unseres Wissens nach) erstmals auf eine Herkunft aus Missouri, genauer gesagt Holden, Mo., erwähnt. Der Vater soll hier angeblich ein Bänker gewesen sein. Die Ehe mit John Mundis wird ebenfalls näher beschreiben: dieser sei ein "nutzloser Geselle" und Spieler, und während Flora vor ihrer Beziehung mit ihm einen exzellenten Ruf genossen habe, wollte ihr ehemaliges Umfeld nach ihrer Eheschließung nichts mehr mit ihr zu tun haben...heißt es jedenfalls.

 


Nur wenige Tage später, am 27. Juni 1893, gelingt "Tom King" erstmals die Flucht aus dem Gefängnis (hier geschildert in der Guthrie Daily News vom 28.6.1893). Zusammen mit "Zugräuber Ernest Lewis" (in anderen Zeitungsberichten auch "Killer" Lewis genannt) und einem Vergewaltiger namens William Roach gelang es ihr, im Schutz der Nacht die Gitterstäbe ihrer Gefängniszelle zu durchtrennen und zu entkommen.


Nur weniger als einen Monat später – das genaue Datum könnten wir nicht ermitteln, aber noch vor dem 20. Juli 1893 wie dieser Artikel aus "West & South" (Guthrie) belegt, gelingt es einem Sheriff namens Fightmaster und einem Deputy namens Robecker, die flüchtige Pferdediebin wieder zu ergreifen und erneut uns Gefängnis zu bringen. Die Autoren der Beiträge kamen nicht umhin, die gute Aussehen von Flora Mundis und ihre Weigerung, etwas anderes als Cowboy-Kleidung zu tragen, ausschweifend zu kommentieren. 


 

Im August 1893 (hier "The Oklahoman" vom 17.8.1893) finden sich weitere Angaben zur Herkunft von Flora Mundis, die – nach aktuellem Wissensstand – als weitgehend gesichert betrachtet werden können. Die Herkunft aus Holden, Mo., wird bestätigt; aus dem Bänker-Beruf ihres Vaters ist nun allerdings ein Farmer geworden, wenn auch ein wohlhabender, der seiner Tochter ein stattliches Erbe hinterließ. Ebenso gibt es Hinweise auf ihre schulische Erziehung. Erneut wird ihr Gatte John Mundis als "wertlos" bezeichnet, mit dem sie zusammen schließlich auf die schiefe Bahn geriet und noch in Missouri Ärger mit dem Gesetz bekam.

 

Am 3. Oktober 1893 amüsierte sich die Guthrie Daily News über einen Vorfall, bei dem "Tom King" einen ihrer Bewacher verunsicherte, indem sie sich vor ihm entblößte. Was mitunter als zotige Randbemerkung gedacht war sollte möglicherweise noch weiter reichende Gerüchte und Konsequenzen tragen, denn...


...im Dezember 1893 gelingt es ihr abermals aus der Haft zu entkommen. Über die genauen Umstände konnten wir keine Details finden; allerdings schien sich schnell das Gerücht zu verbreiten, dass Flora alias Tom einen Deputy verführt haben soll, der ihr die Flucht ermöglichte. Jedenfalls schienen Artikel wie dieser aus dem Guthrie Daily Leader vom 13.12.1893 es für notwendig zu halten, eben solche Gerüchte zu dementieren.


Dienstag, 29. April 2025

May 1881 - Billy the Kid: Der meistgesuchte Mann New Mexicos?

Billy the Kid zählt gemeinhin als einer der berüchtitgsten Banditen seiner Zeit. Spätestens nach seiner spektakulären Flucht am 28. April 1881, während der er zwei Deputy Sheriffs tötete, war sein Name im gesamten Land bekannt. Und Governeur Lew Wallace, der kurz zuvor noch den Hinrichtungsbefehl für den verurteilten Mörder unterzeichnet hatte, verlor wenig Zeit, um auf den flüchtigen Outlaw erneut ein Kopfgeld von 500$ für dessen Ergreifung auszuschreiben (Inflationsbereinigt etwa 15.000 $ nach heutiger Rechnung, also durchaus eine stolze Summe).

Lew Wallace rewardLew Wallace reward 12 May 1881, Thu The Santa Fe New Mexican (Santa Fe, New Mexico) Newspapers.com

In der Regel drängt sich der Eindruck aus, als wäre Bill the Kid der gefährlichste Mann New Mexicos gewesen; in der romantisch verklärten Erzählweise gilt er als der meistgesuchte Bandit des Territoriums. Aber das scheint, bei genauerer Betrachtung, nicht ganz zutreffend; denn er war nicht der einzige Verbrecher, auf dem im Mai 1881 ein dermaßen hohes Kopfgeld ausgeschrieben war...

Reward for Billy the Kid & The Stockton GangReward for Billy the Kid & The Stockton Gang 12 May 1881, Thu The Santa Fe New Mexican (Santa Fe, New Mexico) Newspapers.com

Denn in derselben Zeit, in der Billy the Kid sich wieder auf freiem Fuß befand, machte sich in San Juan County, New Mexico, die "Stockton Gang" einen Namen. Angeführt von Isaac "Ike" Stockton, brach diese Bande von Viehdieben und Banditen mit Simmons-Clan, einer Familie an Rinderzüchten, eine Privatfehde mit zahlreichen Schießereien und Lynchmorden vom Zaun, die in den Zeitungen dieser Tage auch als der "San Juan County War" bezeichnet wurde. Stockton wurde unter anderem beschuldigt, einen Mann namens Aaron Barker ermordet zu haben, worauf sich die Bande nach Colorado absetzte. Dort wurde auf ein Mitglied der Bande im August 1881 sogar ein Kopfgeld von 2.500 $ ausgesetzt, nachdem dieses US-Marshal Clate Ogsbury getötet hatte - gerüchtehalber lieferte Stockton daraufhin seinen eigenen Mann an die Behörden aus, um das Kopfgeld zu kassieren. Falls dies stimmt, scheint es ihn jedenfalls bei Gesetzeshütern nicht beliebter gemacht zu haben: Bei einer Schießerei mit einem Mann namens Jim Sullivan, Deputy Sheriff von Silverton, Colorado, im September 1881 wurde Ike Stockton ins Bein getroffen und verhaftet. Die Wunde entzündete sich. Der Versuch, tödlichen Wundbrand durch die Amputation des Beins zu verhindern, schlug fehl, und Der Outlaw starb am 27. September 1881 an seiner Verletzung. Angeblich soll Deputy Sheriff Jim Sullivan nach Stocktons Tod gesagt haben, wenn er eines mehr hasse als einen Mörder, dann sei dies ein Verräter.


Montag, 28. April 2025

20. Januar 1881 - Ein Interview mit Billy the Kid

 Am 23. Dezember wurden Billy the Kid, Dave Rudabaugh und Billy Wilson von Sheriff Pat Garrett geschnappt und ins Gefängnis nach Lincoln County gebracht. Dort sollten Sie einsitzen, bis Ihnen im April in Mesilla der Prozess gemacht werden sollte. Billy sah sich speziell zwei Anklagen gegenüber: Der Tötung von Andrew "Buckshot" Roberts, und dem Mord an Lincoln County Sheriff William Brady.

Während dieser Haft gelang es einem Reporter, ein Interview mit den inhaftierten Banditen zu führen, dass am 20. Januar 1881 in der Las Vegas Gazette erschien. Es zeichnet ein erstaunlich entspanntes Bild, dass Billy an den Tag zu legen schien, während er auf seinen Mordprozess wartete; er und seine Gefährten scherzen, die Banditen beschweren sich, dass so ziemlich jedes Verbrechen im Land ihnen in die Schuhe geschoben würde - oder dass jeder, der eines Verbrechens in Lincoln County beschuldigt werde, gleich als Mitglied von Billy's Bande gelte - und als The Kid selbst befragt wird, was er von seinem Ruf als gefährlicher Outlaw halte, entgegnet dieser nur, "dass damit kein Geld zu verdienen ist."

20 Jan 1881, Thu The Las Vegas Gazette (Las Vegas, New Mexico) Newspapers.com

Generell scheinen die inhaftierten Outlaws noch guter Dinge zu sein. Die Lage sollte sich speziell für Billy bald ändern, als er im April 1881 schließlich dem Richter in Mesilla vorgeführt werden sollte...

Montag, 21. April 2025

19.12.1880: Tom O Foliard stirbt - Pat Garrett jagt Billy the Kid!

 Weihnachten 1880 sollte für Billy the Kid kein frohes Fest werden. Der Gouverneur von New Mexico, Lew Wallace, hatte 500$ Kopfgeld auf seine Ergreifung ausgesetzt - und Sheriff Pat Garrett, von dem es zu Jahresbeginn noch hieß, er sei ein Freund gewesen, machte es sich im Namen des Gesetzes zur Aufgabe, dem Outlaw William Bonney das Handwerk zu legen.

Am 19. Dezember 1880, einem eiskalten Wintertag, ritt Billy the Kid unter Begleitung seines alten Gefährten aus Regulatoren-Tagen, Tom O'Folliard, sowie mit Charlie Bowdre, Dave Rudabaugh und Billy Wilson nach Fort Sumner - nicht ahnend, dass Sheriff Pat Garrett der Bande dort bereits einen Hinterhalt gelegt hatte. Es war eher Zufall, dass Billy als Anführer nicht an der Spitze seiner "Bande" vorausritt. Stattdessen war es Tom Folliard, der sich plötzlich als erster Pat Garrett und seinen Deputies gegenübersah... und der im folgenden Kugelhagel sein Leben lassen sollte.

Tom Folliard DeathTom Folliard Death 23 Dec 1880, Thu The Las Vegas Gazette (Las Vegas, New Mexico) Newspapers.com

Der Rest der Bande konnte zunächst entkommen. Doch Pat Garrett, der selbst lange Zeit in Fort Sumner gelebt und gearbeitet hatte, kannte die üblichen Verstecke von Billy und seiner Gang nur zu gut. An einer Futterstation mit dem wohlklingenden Namen "Stinking Springs" gelang es dem Sheriff und seiner Posse nach einem klirrend kalten Winter-Blizzard, die Bande einmzukesseln und zu stellen. Charlie Bowdre, ein weiterer ehemaliger Lincoln County Regulator, fing eine Kugel und sollte kurze Zeit später sterben. Eingekesselt, verfroren und ohne Lebensmittel, verloren Billy the Kid und seine Gefährten schließlich den Mut. Am 23.12.1880 ergaben sich die Banditen Sheriff Pat Garrett, der sie - nach einem kurzen weihnachtlichen Zwischenstopp in Fort Sumner - schließlich ins Gefängnis nach Santa Fe (und später nach Las Vegas) überstellte, wo die Bande auf ihre Gerichtsverhandlung warten sollten.

Billy in Santa Fe 1880Billy in Santa Fe 1880 28 Dec 1880, Tue The Santa Fe New Mexican (Santa Fe, New Mexico) Newspapers.com

Doch damit ist die Geschichte von Billy the Kid noch nicht vorbei. Denn es sollte nach dieser Gerichtsverhandlung sein, dass William H. Bonney sich sein größtes Husarenstück leistete - das ihn bald weit über die Grenzen von New Mexico hinaus berühmt und legendär werden lassen sollte...


Montag, 14. April 2025

Dezember 1880: "Billy the Kid" ist auf dem Kriegspfad - 500$ Kopfgeld!

 Das Jahr 1880 sollte entscheidend sein für die Laufbahn und den Ruf des jungen William Mc Carty. Bislang war er weitgehend nur als "Billy Bonney" in Erscheinung getreten, mitunter auch als "Billy Bonny, besser bekannt als 'The Kid'". Doch je länger er auf freiem Fuß blieb, umso mehr schien sich sein Charakter zu wandeln. Als der Einzige Mann, der wegen eines Verbrechens im Lincoln County War gesucht wurde und der weder New Mexico verlassen hatte noch begnadigt worden war, haftete ihm bald der Ruf an, den eigentlich für beendet erklärten Krieg im Lincoln County im Alleingang weiterführen zu wollen. 

Die Regulatoren waren in alle Winde zerstreut und hatten sich zur Ruhe gesetzt oder das Territorium verlassen - nur Tom O'Folliard und Charlie Bowdre ritten weiter an seiner Seite. William Bonney scharte neue Gefährten um sich, die bereits wegen anderer Verbrechen gesucht wurden - darunter "Dirty" Dave Rudabaugh, gesucht wegen Eisenbahn- und Postkutschenraubs, oder Billy Wilson, ein notorischer Geld- und Urkundenfälscher. Bislang hatte es eher abschätzig geklungen, wann immer die Zeitungen einen "Billy Bonn(e)y, alias The Kid" erwähnt hatten. Doch im Verlauf des Jahres 1880 sollte sich das ändern. Ehe das Jahr vorbei war, sollten "Billy the Kid und seine Bande" - je nach Berichten zwanzig Outlaws oder gar mehr (auch wenn es in der Realität wahrscheinlich nie mehr als eine kleine Handvoll Leute waren) im gesamten Lincoln County und darüber hinaus berüchtigt und - je nach Region - gefürchtet sein.

Gang on WarpathGang on Warpath 07 Dec 1880, Tue The Santa Fe New Mexican (Santa Fe, New Mexico) Newspapers.com

Ob Billy the Kid und seine Bande wirklich so gefürchtet und notorisch waren wie im obigen Zeitungsartikel geschildert ist nicht ganz klar zu sagen. Wahrscheinlich waren die meisten Meldungen übertrieben, vielleicht weckte die Erinnerung an den jüngst beigelegten Lincoln County war in manchen Bewohnern des Countys Unbehagen, wenn ein einzelner verbliebener Recke aus diesen Krieg weiterhin sein Unwesen trieb. Billy selbst schien den Ruf zunächst zu genießen, doch nach Zeitungsmeldungen und Gefechten wie dem oben beschriebenen schien er doch zumindest die Gefahr zu ahnen, der er ausgesetzt war, wenn er weiter Gesetzloser blieb. Am 12. Dezember 1880, so heißt es, ließ William H. Bonney abermals  Lew Wallace ein Schreiben zukommen, in dem der junge Outlaw den Gouverneur von New Mexico um Amnestie für seine Verbrechen bat. Doch angesichts der jüngsten Taten von Billy the Kid - darunter, nicht zu vergessen, einen Mord vor Zeugen am 10. Januar 1880 in Fort Sumner - war Wallace offenbar wenig gewillt, jetzt noch Gnade für jemanden zu zeigen, der offenbar nicht Willens war, die Waffen niederzulegen. Stattdessen schrieb der Gouverneur ein Kopfgeld aus: 500 Dollar (inflationsbereinigt 15.000 Dollar) für die Ergreifung von Billy the Kid! Die Schlinge um den gerade einmal 21-jährigen Outlaw begann sich langsam, aber sicher, zuzuziehen...

Billy the Kid RewardBilly the Kid Reward 14 Dec 1880, Tue The Santa Fe New Mexican (Santa Fe, New Mexico) Newspapers.com

Montag, 7. April 2025

10. Januar 1880: Billy Bonny, "besser bekannt als 'The Kid'", tötet Joe Grant

 Bis zur Schlacht von Lincoln war Billy the Kid im incoln County War tatsächlich ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Ja, er wurde wegen des Mordes an Sheriff William Brady gesucht, doch hatte er sich in erster Linie nur als einer der Regulatoren erwiesen, einer von vielen Revolvermännern, die von John Tunstall - und später Alexander McSween - angeheuert worden waren, um deren Interessen gegen die Übergriffe von James Dolan und "The House" zu verteidigen. 

Mit der Schlacht von Lincoln, und als einer der wenigen Überlebenden der McSween-Fraktion, stieg der gerade einmal 19-jährige Billy jedoch zu einem Anführer auf. Erst, indem er die wenigen "Eisernen" (ironclads) unter den Regulatoren zusammenhielt - und später als der Anführer einer eigenen Bande. Denn nach der Generalamnestie des neuen Gouverneurs von New Mexicos, Lew Wallace, war der junge William H. Bonney einer der wenigen Männer, die wegen ihrer Taten während des Lincoln County Wars nicht verurteilt oder begnadigt worden waren. Stattdessen scharte er eine neue Bande um sich, beging eine Reihe von Vieh- und Pferdediebstählen... und tötete am 10. Januar 1880 vor Zeugen den Cowboy Joe Grant. 

17 Jan 1880, Sat Weekly New Mexican (Santa Fe, New Mexico) Newspapers.com

Im Jahr 1879 hatte, beflügelt durch die Generalamnestie von Gouverneur Lew Wallace, sich gemeinhin die Hoffnung oder der Glaube durchgesetzt, dass der Lincoln County War nun vorbei sei. Statt dessen sollte 1880 eine andere Legende entstehen: Die Geschichte von "The Kid", der junge Revolverheld, der sich vorgenommen habe, den Krieg im Alleingang fortzuführen...

Montag, 31. März 2025

18. Februar 1879 - Ein Friedensvertrag platzt

Im Februar 1879 sah es ganz danach aus, als sollte das Blutvergießen im Lincoln County War endlich ein Ende finden! Der neue Gouverneur von New Mexico, Lew Wallace, kündigte eine Generalamnestie für die in der Zeit nach der Schlacht von Lincoln begangenen Verbrechen an... Susan McSween, die Witwe des in den Straßen von Lincoln getöteten Alexander McSween, und James Dolan, Anführer von "The House", ließen in der Zeitung verkünden, sie hätten Frieden geschlossen... und auch Billy The Kid, Anführer der verbliebenen Regulatoren, und James Dolan, begleitet von Jesse Evans, "The Boys" und anderen "Rustlern", erklärten sich bereit, sich in Lincoln zu treffen und Frieden zu schließen...

Und tatsächlich sah es kurz nach Anbruch der Dunkelheit so aus, als wäre der Konflikt endlich beigelegt. "Regulators" und "Rustlers" schworen, sich jeweils auf die Amnestie zu berufen und gegenseitig weder zu bekämpfen noch vor Gericht anzuschwärzen. Anschließend beschlossen beide Parteien, den eben beschlossenen Frieden zu feiern. In der Folge sollten Dolan, Evans, der ebenfalls zu den Rustlern zählende William Campbell als auch Billy the Kid und andere Regulatoren trinkend durch die Saloons von Lincoln ziehen.

Doch der Friede währte nur wenige Stunden. Inmitten des feucht-fröhlichen Treibens stieß die Gruppe auf Huston Chapman - ein Anwalt der, beauftragt von Susan McSween, bestrebt danach war, General Nathan Dudley (den Kommandanten von Fort Stanton) und andere Vertreter der Armee für ihre Taten während der Schlacht von Lincoln wegen Beihilfe an der Tötung von Alexander McSween vor Gericht zu ziehen. Dudley wiederum stand eher der Fraktion von James Dolan nahe... und als die betrunkene Bande unversehens auf den von ihnen verhassten Anwalt stieß, kippte die Stimmung. William Campbell zog eine Waffe und richtete sie auf Chapman - wohl, um ihn "zum Tanzen" zu bewegen. Es fiel ein Schuss, dann ein zweiter - und Huston Chapman lag tot auf der Straße. Der Frieden zwischen den Lagern war gebrochen, kaum dass er begonnen hatte - und Lincoln County drohte, in weiterem Blutvergießen zu versinken...

01 Mar 1879, Sat The Mesilla Valley Independent (Mesilla, New Mexico) Newspapers.com

Billy and Dolan parlay 1879Billy and Dolan parlay 1879 08 Mar 1879, Sat Weekly New Mexican (Santa Fe, New Mexico) Newspapers.com

Dienstag, 25. März 2025

Juli 1878: Krieg in Lincoln County

Vom 14. bis 19. Juli tobte in den Straßen von Lincoln, New Mexico, ein Feuergefecht zwischen Alexander McSween und den ihn begleitenden "Lincoln County Regulators" und einer Posse von Lincoln County Sheriff George Peppin, der auch James Dolan und Jesse Evans angehörten - Männern, die nur wenige Monate zuvor vor Gericht angeklagt worden waren, den Rancher John Tunstall ermordet zu haben....

Diesem Fünftägigen Gefecht, dass auch als die "Schlacht von Lincoln" bekannt werden sollte, bei der sich zwischen 80 und 100 Menschen ein Feuergefecht lieferten und in das letztlich sogar die Kavallerie involviert wurde, waren in den Wochen zuvor bereits mehrere Schießereien zwischen den beiden Parteien vorausgegangen. Die Regulatoren jagten die Mörder Tunstalls und deren Hintermänner, die wiederum den Gouverneur New Mexicos und den Sheriff auf ihrer Seite wussten und mit deren Hilfe Jagd auf die Regulatoren und Alexander McSween machten. Zeitungen wie der Weekly New Mexican (Santa Fe, New Mexico) fanden eindeutige Worte für diese Situation: Noch während die Auseinanderesetzung tobte war ganz klar von einem "Lincoln County War" die Rede.

27 Jul 1878, Sat Weekly New Mexican (Santa Fe, New Mexico) Newspapers.com

Montag, 17. März 2025

April 1878 - William Brady, George Hindman, Dick Brewer und Andrew "Buckshot" Roberts bei Schießereien getötet

 Im April 1878 tobte die Gewalt in Lincoln County. am 1. April ermordeten die Regulators Lincoln County Sheriff William Brady - der gemeinhin als Handlanger von "The House" galt - aus dem Hinterhalt auf offener Straße. Ebenfalls bei diesem Attentat getötet wurde George Hindman, einer seiner Deputies, von dem zu diesem Zeitpunkt vermutet worden war, dass auch er in die Ermordung von John Tunstall verstrickt gewesen sein könnte.

Manche in Lincoln County betrachteten William Brady als korrupten Handlanger von "The House" - andere sahen ihn als den einzigen Gesetzeshüter, der imstande war, die volatile Lage in Lincoln County in den Griff zu bekommen. Was man auch von ihm historisch halten mag (die hier zitierte Las Vegas Gazette bezeichnet ihn im Nachruf als "ehrlichen Mann", von dem sie bezweifeln, dass er etwas mit dem Tod Tunstalls zu tun hatte) - mit der Ermordung des Sheriffs bricht in Lincoln County die öffentliche Ordnung endgültig auseinander.

Wenige Tage später stirbt der Anführer der Lincoln County Regulators, Dick Brewer, bei einer Schießerei, als die Vigilanten versuchten, "Buckshot Roberts" zu verhaften - ein Mann, der angeblich Teil der Posse war, die John Tunstall ermordet hatten. Der folgende Artikel schildert die beiden Schießereien und die Hintergründe des Lincoln County Wars, und ruft zu einem Ende der Gewalt auf. Tatsächlich sollte der Gipfel der Gewalttätigkeiten im nun tobenden Lincoln County War noch lange nicht erreicht sein...

Killing of William Brady, Dick Brewer and Buckshot RobertsKilling of William Brady, Dick Brewer and Buckshot Roberts 13 Apr 1878, Sat Las Vegas Gazette (Las Vegas, New Mexico) Newspapers.com

Montag, 3. März 2025

März 1878 - Jesse Evans, James Dolan und andere wegen des Mordes an John H. Tunstall angeklagt

 Als der Rancher John H. Tunstall am 18. Februar 1878 ermordet wurde, ging der bereits schwelende Konflikt im Lincoln County War zwischen James Dolan's "The House" einerseits und der losen Allianz zwischen John Chisum und dem Anwalt Alexander McSween andererseits in einen offenen Krieg über. Bis dahin hatte "The House" die Oberhand: Unterstützt vom korrupten Santa Fe Ring, dem eine Reihe von Richtern, Staatsanwälten und Politikern anhingen, hatten Dolan und Konsorten massiven Druck auf Tunstall und McSween ausüben können. 


Doch nach Tunstalls Tod schwang das Pendel in die andere Richtung: Mit einer Reihe geschickter juristischer Winkelzüge gelang es Alexander McSween, James Dolan, den Viehdieb Jesse Evans und eine Reihe anderer Männer von einer Jury wegen Mordes an Tunstall anklagen zu lassen - auch wenn es für die Tat selbst keine verlässlichen Augenzeugen gab. Dennoch gab es zunächst ein reges Hin und Her:McSween hatte nur wenige Tage nach Tunstall's Tod einen Friedensrichter dazu gebracht, Haftbefehle auszustellen. Auf Basis dieser Haftbefehle wurde Dick Brewer, Tunstall's einstiger Vormann, zu einem Sonder-Constable berufen, der daraufhin Billy the Kid und einige Weitere Revolverhelden anheuerte, um diese Haftbefehle zu vollstrecken - die Lincoln County Regulators waren geboren.

Diese Haftbefehle waren zunächst nicht lange von Dauer: Beeinflusst durch "The House" annullierte der Gouverneur von New Mexico, Sam Axtell, diese Haftbefehle wieder, wodurch die Regulatoren von Gesetzeshütern zu Verbrechern wurden. Doch nur wenige Wochen später wurde dies erneut rückgängig gemacht: Ein in Lincoln einberufenes Geschworenengericht bekräftigte die vom Friedensrichter ermittelte Todesursache, und klagte Dolan, Evans und Konsorten erneut wegen des Mordes an. Der folgende Artikel aus der Las Vegas Gazette druckte am 23.März1878 den Beschluss der einberufenen Jury ab:

Lincoln County 23 March 1878 LV Gazette- Tunstall Murder inquiryLincoln County 23 March 1878 LV Gazette- Tunstall Murder inquiry 23 Mar 1878, Sat Las Vegas Gazette (Las Vegas, New Mexico) Newspapers.com

Die Haftbefehle waren also wieder gültig - und das Tauziehen im Lincoln County schritt weiter fort.

Montag, 10. Februar 2025

12.August 1881: Billy the Kid - "Sein wahrer Name war McCarthy"

 Bei allen fantastischen Lügengeschichten, die über das Leben und die Eskapaden von Billy the Kid berichtet wurden: es ist doch davon auszugehen, dass es zu Lebzeiten von "William Bonney" auch im Lincoln County einige Leute gab, die über die wahre Herkunft von "The Kid" Bescheid wussten - oder besser Bescheid wussten als die Sensationsgier verschiedener Zeitungen, die alle für sich beanspruchen wollten, die wahre Herkunft des berüchtigten Outlaws ausgemacht zu haben.

Inmitten dieser zahlreichen Falschmeldungen geht die Wahrheit leicht verloren. Es findet sich aber hin und wieder auch in zeitgenössischen Quellen auch ein Beitrag, der sich entschieden gegen die Sensationslust stellt - und der tatsächlich ein paar belegbare Fakten liefert, anhand derer sich die Herkunft von Billy The Kid - oder eine mögliche Identität - besser herausfinden lässt. Ein solcher Beitrag im Lancaster daily intelligencer (Pennsylvania, 12. August 1881, wohl zuerst abgedruckt im St. Louis Globe-Democrat, Missouri), der als Leserzuschrift wohl in direkter Reaktion auf die Sensationsmeldung in der Philadelphia Times vom 19, Juli 1881 entstanden ist, liefert einiger solche Fakten: Dass sein richtiger Familienname "MacCarthy" gewesen sei; dass er in New York geboren wurde; dass seine Mutter einen "Mann namens Antum" geheiratet habe und sich in Silver City, New Mexico, mit diesem niederließ, und dass dort noch ein Bruder von ihm lebe; dass er dort erstmals mit 15 Jahren wegen Ladendiebstahls verhaftet wurde; und dass er erstmals im Alter von "16 oder 17 Jahren" einen Mann in Arizona tötete. 

Quelle: Chronicling America - Library of Congress

Die meisten Historiker gehen davon aus, dass das hier gezeichnete Bild des jungen "Billy The Kid" der Wahrheit entspricht. Einzig der Vorname war nicht korrekt: Der Junge, von dem hier die Rede ist, hieß nicht "Billy" sondern Henry McCarthy, aber sein Stiefvater hieß William Antrim - und dessen Namen hatte Henry McCarthy angenommen, als er im Alter von 17 Jahren bei Fort Grant einen 32-jährigen Iren namens Frank Cahill im Streit erschoss...

Montag, 3. Februar 2025

17. 8. 1877: Kid Antrim alias "Billy the Kid" tötet Frank Cahill

Dem Outlaw Billy the Kid, alias William H. Bonney, alias William Antrim, alias "Kid" Antrim, alias Henry McCarty, wurde auf dem Höhepunkt seines gesetzlosen Treibens nachgesagt, er habe im Alter von gerade einmal 20 Jahren für jedes Jahr seines Lebens mindestens einen Mann auf dem Gewissen. Wie viele es wirklich gewesen sind ist bis heute unklar - man geht inzwischen in der Regel davon aus, dass es gerade einmal vier waren, wobei Billy bei diversen anderen Schießereien, in denen jemand ums Leben kam, zumindest beteiligt war.

Was wir wissen ist die erste belegte Tat, wegen der "The Kid" wegen Mordes belangt und gesucht wurde: Am 17. August 1877 tötete Billy in der Nähe von Camp Grant, Arizona, den etwa 32-jährigen gebürtigen Iren Frank Cahill nach einem Streit, in dem er ihm aus nächster Nähe in den Bauch schoss - Cahill sollte an dieser Verletzung am nächsten Tag sterben. Da Cahill bis zu seinem Dahinscheiden noch mehrere Stunden bei Bewusstsein blieb, konnte er noch auf dem Sterbebett seine letzte Aussage tätigen, die mehrere Zeitungen in Arizona (darunter der Arizona Weekly Star vom 23. August 1877) abdruckten:

23 Aug 1877, Thu Arizona Weekly Star (Tucson, Arizona) Newspapers.com

"Ich, Frank Cahill, in der Überzeugung dass ich bald sterben werde, mache die folgenden Worte als meine letzte Aussage: Ich wurde geboren im County und in der Stadt Galway, Irland; gestern, am 17. August 1877, hatte ich einigen Ärger mit Henry Antrim, auch als Kid bekannt, während dessen er auf mich schoss. Ich hatte ihn einen Pimpf genannt, und er nannte mich einen H----s---; wir ergriffen daraufhin einander; Ich habe ihn nicht geschlagen, denke ich; sah, wie er nach seiner Pistole griff, und versuchte sie zu greifen, aber ich konnte es nicht, und er schoss mir in den Bauch; Ich habe eine Schwester namens Margaret Flannagan, die in East Cambridge, Massachusetts, lebt, und eine weitere namens Kate Condea, die in San Francisco lebt,"

Tatsächlich sollte es Zeugen geben, die berichteten, dass sich Cahill auf Kid Antrim geworfen und auf ihn eingeschlagen hatte, bevor Antrim schoss; wenigstens ein Zeuge war der Auffassung, dass sich der Schuss im Gerangel zwischen den beiden wohl versehentlich gelöst haben konnte. Doch da William Antrim unmittelbar nach der Tat die Flucht ergriff, und ein Leichenbeschauer die Tötung als "kriminell und ungerechtfertigt beurteilte" (siehe den folgenden Bericht vom Arizona Weekly Citizen vom 25. August 1877), wurde "Kid Antrim" des Mordes beschuldigt und als Mörder in Arizona gesucht. Billy setzte sich daraufhin wieder zurück ins New Mexico Territory ab - wo er nur wenige Monate später direkt in den ausbrechenden Lincoln County War verwickelt werden sollte...

Cahill killing 1877Cahill killing 1877 25 Aug 1877, Sat Arizona Weekly Citizen (Tucson, Arizona) Newspapers.com


Montag, 27. Januar 2025

30. Juli 1881: Der kleine "Billy The Kid" - Jugendlicher Bandit einer "Gang of New York"?



 Kurz nach dem Tod von Billy the Kid im Juli 1881 sollten Zeitungen aus nahezu jedem der Staaten der USA - wie es der New York Dispatch am 14. August 1881 formschön ausdrückte - derart danach streben, Billy the Kid als einen "Einheimischen" ihres Staates zu identifizieren, dass "die Aufmerksamkeit eines jungen Burschen von dem Gedanken, einmal Präsident werden zu wollen, abgelenkt [werde], und er nun täglich über um ein hervorragende Schütze und berühmter Assassine zu werden."


Quelle: Chronicling America - Library of Congress

Noch während Billy's Lebzeiten kristallisierte sich allerdings heraus, dass "The Kid" wohl in New York geboren wurde oder zumindest mehrere Jahre seiner Kindheit dort verbracht haben soll. Eine der gängigsten Theorien verortet die Geburt Billy's in die sogenannten "Five Points" von New York - einer Gegend, die von vielen irischen Einwanderern bewohnt wurde, die aber auch von Armut und Bandenkriminalität geprägt war. Wer den Film "Gangs of New York" gesehen hat, mag sich ein Bild davon machen, wie es in den Five Points in Billy's Kindheitstagen zugegangen sein mag.

Was gäbe es Naheliegenderes als anzunehmen, dass Billy tatsächlich in Kindestagen ein Bandenmitglied einer solchen "Gang of New York" gewesen sein mag? Genau das tat so manche New Yorker Zeitung in dieser Zeit, wie beispielsweise hier der New York Dispatch vom 31. Juli 1881 - ja, eben jene Zeitung, in der jemand nur zwei Wochen später sich jemand über die Sensationslust dieser "Billy the Kid" Artikel beklagen sollte.

Quelle: Chronicling America - Library of Congress

In diesem Artikel, der sich um sogenannte "Growler Clubs" dreht - Kaschemmen, in denen "Säufer geschaffen und Diebe gelehrt" werden - wird Billy the Kid als ein Miglied der sogenannten "Sixth Ward Gang" identifiziert, zu der auch Getalten wie "Cow Leg" Sam, "The Blower", "Butch" McCarthy (!), "Red" Leary oder "Shang" Draper gezählt werden. Es ist faszinierend, wie dieser Beitrag - der sich eigentlich um das kriminelle Nachtleben und den schlechten Einfluss solcher Tavernen auf Jugendliche in New York dreht - darauf zurückgreift, einfach den Namen des zu dem Zeitpunkt berüchtigsten Outlaws des Wilden Westens fallen zu lassen, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. (Der Historiker Frederick Nolan hat im Übrigen Belege gefunden, dass es in der Unterwelt von New York tatsächlich einen Mann namens Henry McCarthy gab, der in den 1870er Jahren in New York einen anderen Mann mit einem Messer erstach und der wohl zu dieser kriminellen Halbwelt New Yorks gezählt hatte. Da der Name McCarthy allerdings sehr weit verbreitet war - und auch heute noch ist - ist wohl davon auszugehen, dass der New York Dispatch einem Irrtum aufgesessen ist. Ja, ein Henry McCarthy könnte wahrscheinlich Mitglied der Sixth Ward Gang gewesen sein. Aber dieser  McCarthy war nicht derselbe, der später einmal "Billy the Kid" werden sollte...

Montag, 20. Januar 2025

3. August 1881 - "Die Geschichte eines Outlaws": Wilde Fantastereien über den Gesetzlosen "Billy the Kid"

 Der Lincoln County War und die Eskapaden von Billy the Kid fielen in eine Zeit, in der Groschenromane über den Wilden Westen, aber aus Sensationsjournalismus in einem vorher noch nie dagewesenem Maß produziert wurden. Die Brutalität des "Cowboy-Kriegs" in New Mexico und die draufgängerische, dramatische Art und Weise, mit der Billy the Kid aus gefährlichen Schießereien und dem Zugriff seiner Häscher ein ums andere Mal entkam, beflügelte die Neugier und Sensationslust von Zeitungslesern im gesamten Land. Bald schon war der gerade einmal 21-jährige Billy der berühmteste und berüchtigste Outlaw der gesamten Vereinigten Staaten.

Und je wilder diese Geschichten wurden, um so mehr entfernten sich die Berichte darüber von der Realität. Noch zu Lebzeiten nahmen die Geschichten über den "Bandenführer" Billy the Kid immer fantastischere Züge an - und nach seinem Tod lieferten sich Zeitungen geradezu ein Wettrennen mit neuen "Enthüllungen" über das Leben des "Banditenkönigs". Diese - meist frei erfundenen - Geschichten sorgen dafür, dass es heute umso schwerer ist, genaue, belegbare Informationen über das Leben des jungen Mannes zu erfahren, der er war, bevor ein junger Mann namens "William H. Bonney" im Herbst 1877 in Lincoln County, New Mexico, auftauchte und sich dort bald als "Billy, the Kid" einen Namen machen sollte.

Ein besonders herrliches Beispiel einer solchen "Enthüllungsstory" über die "Geschichte eines Outlaws" - an der so ziemlich gar nichts stimmt - konnte ich im Clearfield Republican (Clearfield, Pennsylvania) vom 3. August 1881 finden. Der Bericht wurde wohl aus der Philadelphia Times vom 19. Juli 1881 übernommen und entstand damit gerade einmal wenige Tage nach Billy's Tod am 14. Juli 1881. Der Artikel liefert einige Wilde Beschreibungen zu The Kid. Zu meinen persönlichen Highlights zählen ein regelrechtes Kastell ("Castle"), dass Billy und seine Gang in der Wüste von New Mexico bewohnen sollte; dass diese "Festung" ("stronghold") groß und stark genug sei, um über 200 Rinder in ihrem Inneren zu beherbergen und einem Ansturm von Texas Rangern standhalten konnte;  dass der "boy demon" bei seinen Eskapaden einen mit Gold und Juwelen besetzten Hut aus Biberfell tragen sollte, der allein 300$ gekostet haben mag; und dass er in Irland geboren wurde um mit 16 Jahren in Texas erstmals getötet haben soll, nachdem er den Sohn eines reichen Mannes im Handgemenge tötete, nachdem sich dieser abfällig über Billy's Vater geäußert haben soll. 

Nichts davon entspricht der Wahrheit, aber es ist ein spannendes, von erfundenen Zitaten und wilden Eskapaden geprägtes Lesestück!



Quelle: Chronicling America - Library of Congress

Donnerstag, 2. Januar 2025

Oktober 1886: Tom Horn und die Jagd auf Geronimo

 In seiner Biographie sollte Tom Horn erzählen, dass er an der Jagd auf den Apache-Renegaten Geronimo beteiligt war - tatsächlich will er selbst es gewesen sein, der Geronimo dazu überreden konnte, die Waffen niederzulegen und aufzugeben.

Dass Tom Horn tatsächlich Geronimo überzeugt hat, aufzugeben, mag bezweifelt werden. Doch gilt es als wahrscheinlich, dass er als Übersetzer für die Armee anwesend war, als Geronimo nach seiner letzten Flucht von Kavallerie-Captain Lawton gestellt wurde.

Der Los Angeles Herald konnte am 20.10.1886 seinen Lesern einen längeren, durchaus spannenden Beitrag über die "Jagd auf Geronimo", sein letztes Gefecht mit der Armee und schließlich seiner Kapitulation bieten.

10-24-1886 Article about Geronimo and Tom10-24-1886 Article about Geronimo and Tom 24 Oct 1886, Sun Los Angeles Herald (Los Angeles, California) Newspapers.com



Montag, 23. Dezember 2024

18.12.1875: John Chisum, der "Rinderkönig von New Mexico"

 Einer der beiden unbestrittenen "Könige" des Lincoln County der 1870er Jahre - bevor der Lincoln County War ausbrechen sollte, aber auch in den Jahren während und nach des "Krieges" - war der Rinderzüchter John Chisum. Er hatte noch in den Jahren des Bürgerkriegs seine Rinder von Texas in das benachbarte, nicht unmittelbar in den Sezessionskrieg involvierte New Mexico getrieben und sich somit bereits frühzeitig als Rinderbaron in der Gegend etabliert. Als nach dem Bürgerkrieg mit den großen Viehtrieben die Rinderzucht eine nie dagewesene Blüte erlebte, war Chisum bereits fest in der Region etabliert - und eine der tonangebenden Mächte der Region.

Der ihm nachgesagte Einfluss und Reichtum war bald auch weit über die Grenzen New Mexicos bekannt. So zeichneten etwa Zeitungen in Kalifornien - wie etwa hier der Ventura Signal vom 18. Dezember 1875 - ausführliche Profile über den Mann, der mehr als 90.000 Rinder sein Eigen nannte und den sie als den "Rinderkönig von New Mexico" bezeichnete.

Quelle: CDNC - California Digital Newspaper Collection

Berichte wie diese erweckten in Staaten wie Kalifornien den Eindruck, dass das New Mexico Territory ideal geeignet wäre, um als Rinderzüchter schnell an Reichtum und Einfluss zu gewinnen. Es waren wohl Artikel wie dieser, die in einem jungen Briten namens John H. Tunstall den Wunsch wecken sollten, sein Glück als Rinderzüchter in New Mexico zu suchen... und so den Stein ins Rollen brachten, der einige Monate später den Lincoln County War auslösen sollte...

Montag, 9. Dezember 2024

20. November 1903: Tom Horn wird gehängt

 Tom Horn hatte ein überaus bewegtes Leben hinter sich: Mit 14 verließ er das Elternhaus in Missouri, um sich zunächst als Kutscher in Kansas und in New Mexico durchzuschlagen, eher er in Arizona zum Cowboy, Dolmetscher und Scout wurde. Er war bei der Kapitulation des Apachen-Kriegers Geronimo anwesend, diente während des berüchtigten Pleasant Valley Wars als Hilfssheriff unter drei verschiedenen Sheriffs und heuerte schließlich als Detektiv bei der berühmten Pinkerton Detective Agency an.

Doch es sollte in erster Linie seine Tätigkeit als "Range Detective" in Wyoming sein, für die er auf zweifelhafte Art berühmt werden sollte. In den sich spätestens seit dem Johnson County War immer drastischer zuspitzenden Auseinandersetzungen zwischen den großen Rinder-Ranchern auf der einen und neu ankommenden Siedlern und Schafhirten auf der anderen Seite ergriff Horn eindeutig Partei: Er ließ sich dafür bezahlen, mutmaßliche "Viehdiebe" aufzuspüren und zu töten. Während vor allem die Viehzüchter in Wyoming Horn als einen hart durchgreifenden Mann feierten, der Rustlern nachhaltig das Fürchten lehrte, sahen viele andere in Horn nur den Handlanger der Interessen der reichen Rinderbarone. 500 bis 600$ soll Horn für jeden seiner "Aufträge" erhalten haben.

Als aber am 15. Juli 1901 der 14-jährige Willie Nickel, Sohn eines Schafhirten, ermordet aufgefunden wurde, fand die Laufbahn Tom Horns ein jähes Ende. Obwohl bis heute Zweifel daran bestehen, dass er der wirkliche Täter war, wurde Horn für schuldig befinden und am 20. November 1903 wegen Mordes am Galgen hingerichtet. Die Vollstreckung des Urteils wurde fast im gesamten Land vermeldet; Zeituzngen, wie die Deseret Evening News (Deseret, Utah) nutzen die Gelegenheit, um große Profile über den bis heute umstrittenen Tom Horn zu veröffentlichen - ein letztes Relikt aus dem Wilden Westen, für das im 20. Jahrhundert kein Platz mehr war.

Quelle: Chronicling America - Library of Congress


Mittwoch, 4. Dezember 2024

ca. 1885: "Die Fahrrad-Fresse"

 Eine Szene die mich als junger Western-Fan immer ein wenige verwundert hatte stammt aus einem der erfolgreichsten Western-Filme aller Zeiten: In "Butch Cassidy and The Sundance Kid" macht der von Robert Redford verkörperte notorische Bandit Butch Cassidy einen Ausritt mit seiner Geliebten - allerdings nicht, im Cowboy-Stil üblich, zu Pferd, sondern auf einem Fahrrad.

An den Ostküstenstaaten, aber auch in den größeren Western-Städten wie Cheyenne in Wyoming oder Denver in Colorado, wo Straßen zunehmend gepflastert waren, hielt ab den 1880er Jahren das Jahrrad in größerem Stil Einzug: Cowboys zu Pferd waren ebenso anzutreffen wie Männer, die mit dem Fahrrad unterwegs waren.

Diese neue Entwicklung wurde nicht überall positiv aufgenommen. Tatsächlich gab es auch Mediziner, die vor dem umgreifenden "Fahrrad-Wahn" auf eigenwillige Art warnten, wie dieser Beitrag aus dem Saint Paul Globe aus dem Jahr 1885 zeigt, spricht er doch von einem möglicherweise permanent bleibendem Schaden: Dem "Fahrrad-Gesicht" oder, um der Tonalität des Beitrags gerecht zu werden, vielleicht eher auch der "Fahrrad-Fresse":


Quelle: Library of Congress - Chronicling America

"Falls Sie einen Mann sehen, der einen gewohnheitsmäßig erschrockenen Ausdruck im Gesicht und einen wilden, erwartenden Blick in den Augen hat," sagt ein prominenter Arzt, "dann besteht eine Chance von 10 zu 1, dass er an einem "Fahrrad-Gesicht" leidet. Das ist eine neue Krankheit, und man sagt dass diese von der Aufmerksamkeit entsteht, die ein Radler seinem Gerät widmet, um gefährliche Hindernisse zu vermeiden. Ein jedes Alter und beide Geschlechter sind von diesem schmerzlichen Leiden betroffen. Sollte die Vererbungslehre greifen und der Fahrrad-Wahn weiter wachsen, dürfte das Land dem schrecklichen Gedanken einer Generation an Männern und Frauen mit weit aufgerissenen Augen entgegenblicken".


Montag, 25. November 2024

30. März 1866: "Lieferung von 6000 Rindern für die gefangenen Indianer" benötigt

 Die Unterbringung von fast 10.000 Navajo (und zusätzlich 500 Apachen) auf dem Gebiet des Bosque Redondo Reservats nahe Fort Sumner, New Mexico, war ein logistischer Alptraum. Was als ein Geländer zur Selbstversorgung der Natives mit Landwirtschaft angedacht war, war effektive ein Gefangenenlager auf wüstenartigem, für Ackerbau ungeeignetem Gelände. Es fehlte an Material und an Lebensmitteln, um die ab 1863 dort untergebrachten Indigenen zu versorgen. Aus New Mexico heraus konnte der Bedarf ebenfalls nicht gedeckt werden. Ab 1866 schrieb die US-Armee daher landesweit in Zeitungen Aufrufe aus, um Fort Sumner mit bis zu 6000 Rindern zur Versorgung der dort internierten Indianer zu versorgen. Charles Goodnight wurde auf einen dieser Aufrufe aufmerksam und beschloss, 2000 Rinder über eine Strecke von mehr als 600 Meilen von Belknap in Texas nach Fort Sumner in New Mexico zu treiben. Der große texanische Cattle Drive war geboren.

Welche Zeitung es genau war, die Charles Goodnight zu Gesicht bekam und die ihm auf die Idee des Viehtrails brachte ist mir nicht bekannt. Beispiele gab es genug; in der Episode zitierten wir aus einem Blatt in Kansas, aber auch in Zeitungen aus Pennsylvania, Massachusetts oder natürlich konnten wir entsprechende Inserate finden.


Quelle: Chronicling America - Library of Congress

Das hier gezeigte Inserat stammt aus "The evening telegraph" auf Pittsburgh (Pennsylvania). Der Artikel gibt genaue Vorgaben für Bewerber auf eine Ausschreibung "für die Lieferung von 6000  Rindern auf der Hufe für den Gebrauch für die gefangenen Indianer bei Fort Sumner, New Mexico" (Interessanterweise wird hier kein Hehl daraus gemacht, dass das Bosque Redondo Reservat nichts anderes als ein Internierungscamp war). Die Lieferungen sollen am 1. Juli 1866 erfolgen und aus 500 Kopf Rind bestehen, mit Folgelieferungen auf Absprache. Das Rind muss "zwischen drei und fünf Jahre alt sein, mindestens 400 Pfund wiegen [...] und von bester vermarktbarer Qualität [sein]". Jedes Gebot muss zudem von zwei verantwortlichen Personen gezeichnet werden.

Goodnight holte sich Oliver Loving als Partner und trieb mit ihm zusammen 2000 Rinder nach Fort Sumner (gut möglich, dass die Kopfzahl an Rind für Ausschreibungen später erhöht wurde, oder dass er sich eine gute Abnahme erhoffte, wenn er mit zusätzlichen Rindern direkt auftauchte). Am Ende konnte er davon 1200 Tiere verkaufen; während Goddnight nach Texas zurückkehrte und bereits den nächsten Treck vorbereitete, zog Oliver Loving weiter bis nach Colorado, um dort die restlichen Rinder zu verkaufen. Nach den beiden Pionieren des Cattle Drives wurde der Goodnight-Loving-Trail benannt - und die große Wildwest-Tradition der Vieh-Trecks war geboren.


Flora Mundis alias Tom King (Teil 2) – Wie sich Legenden bilden

"Desperado Tom King erschießt einen ihrer Verfolger" – mit dieser markigen Überschrift macht der Guthrie Daily Leader am 17.12.189...