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Dienstag, 19. November 2024

Bill Pickett, "The Bull-Dogger": Ein schwarzer Cowboy als Western-Filmstar (ca. 1920)

 Das moderne Hollywood und der Western der Tonfilmzeit hat in den Köpfen eines modernen Publikums ein sehr "weißgewaschenes" Bild des Wilden Westens entstehen lassen: Ab den 1920er Jahren wurde "Segregation" zwischen Afroamerikanern und Amerikanern europäischer Abstammung auch in der Filmindustrie immer stärker betrieben. Zwar existierten gelegentlich auch "schwarze" Western, aber da Filmstudios für ein Afroamerikanisches Publikum meist weit schlechter finanziert waren, konnten diese sich die oft Actiongeladenen, aufwändig zu produzierenden Westernfilme nicht leisten.

Dabei gab es durchaus schwarze Cowboys. Nicht nur dass: In der Zeit er Wildwest-Zirkusshows und frühen Rodeo-Ära waren oft Cowboys Afroamerikanischer Abstammung die Stars der Show. Ein eindrucksvolles Beispiel ist Bill Pickett, Sohn einer freigelassenen Sklavin, ein mehrfach ausgezeichneter Rodeo-Reiter und einer der Stars des Wildwest-Zirkus der 101 Ranch, der aufgrund seiner robusten Statur und seinem durchsetzungskräftigen Wesens auch als der "Bull-Dogger" bekannt wurde. Tatsächlich wurden auf dem Gelände 101 Ranch auch sehr viele Western produziert - und Bill Pickett war in wenigstens einem dieser Filme der Star!

Bill Pickett, "The Bull-Dogger". Filmplakat ca 1921/1922

Viel ist über diesen Film leider nicht bekannt; das Filmmaterial aus jener Zeit war sehr hitze-, lichtm und witterungsempfindlich, und der größte Teil der vor 1930 produzierten Hollywoodfilme gilt heute als unwiederbringlich verloren. Es sind aber einige Ausschnitte aus "The Bull-Dogger" erhalten geblieben, die in erster Linie Pickett's Rodeokünste zur Schau stellen.


Die 101 Ranch war zeitweise einer der größten Ranchbetriebe in den USA. Auf ihrem Gelände wurde nicht nur eine weltweit bekannte Wildwest-Show aufgeführt: Die Ranch hielt auch 500 Bisons, die in diversen Westernfilmen dieser Zeit zur Schau gestellt wurden, und das Land war zum Teil von den in Oklahoma ansässigen Ponca oder Cherokee gepachtet, die auf der Ranch arbeiten und auf dem Gelände ihren traditionellen Lebensstil ausüben konnten. Natürlich diente das im Sinne der 101 Ranch auch dem Interesse der Show - aber dennoch war es in der Zeiten eine alles andere als übliche Praxis, und für viele Natives eine der besten Möglichkeiten, Geld zu verdienen und gleichzeitig ihre gewohnte Kultur zu erhalten.

In den 1920er Jahren stieg die 101 Ranch auch selbst ins Filmgeschäft ein und produzierte eigene Spielfilme. Wenigstens einer davon (The Big Show, 1926) ist auch heute noch erhalten geblieben. Leider habe ich keine Möglichkeit gefunden, diesen Film hier im Blog einzubetten; der 75-minütige Stummfilm-Streifen kann aber im Rahmen der amerikanischen National Film Preservation Foundation komplett und registrierungsfrei online angesehen werden!

Sonntag, 28. Juli 2024

19. April 1909: Diakon Jim Miller, aka "Miller, the Killer", wird gelyncht

 Am 19. April 1909 fand die "Laufbahn" des bibelfesten Auftragsmörders Jim Miller ein jähes Ende: "Killer Miller" wurde von einem aufgebrachten Lynchmob aus seiner Gefängniszelle in Ada, Oklahoma, gezerrt und zusammen mit drei Komplizen an einem Dachbalken einer im Bau befindlichen Scheune aufgehängt.

Jim Miller lynched
Jim Miller lynched 23 Apr 1909, Fri Carlsbad Current-Argus (Carlsbad, New Mexico) Newspapers.com

Nachdem er im Auftrag dreier Rancher einen konkurrierenden Rinderzüchter namens A.A. Bobbitt ermordet hatte, verpfiff ein Mitwisser der Tat Miller und seine Komplizen an die Justiz. Jim Miller, dem zwischen den Jahren 1894 und 1909 wenigstens zwölf Morde zugeschrieben werden (die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich noch deutlich höher), hatte es bis dahin bestens verstanden, dem Gesetz auszuweichen. Obwohl er mehrmals wegen Mordanklagen vor Gericht landete, besaß Miller immer ein Alibi für seine Taten und verstand es bestens, keine Beweise zu hinterlassen. In der Nacht bevor er Sheriff "Bud Fraser" in Pecos City ermordete soll der gläubige Methodist Miller - der als so religiös galt, dass er in seinem Heimatort auch als "Deacon Jim", also Jim der Diakon, bekannt war - zu Hause eine Bibellesung gehalten haben. Anschließend ritt er in finsterer Nacht 40 Meilen nach Pecos City, vollstreckte seine Tat und ritt umgehend zurück, um am nächsten Morgen zu Hause die Kirche aufsperren zu können.

Auch wenn in weiten Teilen von Oklahoma und Texas Miller als "Killer" berüchtigt war, kam es nie zu einer Verurteilung. Daher fasste die Bevölkerung von Ada, Oklahoma, den Beschluss, nach seiner jüngsten Tat nicht ein weiteres Mal auf eine Verurteilung Millers zu hoffen und statt dessen das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen. Augenzeugen zufolge soll Miller die Taten des Lynchmobs gelassen abgewartet haben und am Ende noch kaltschnäuzig darum gebeten haben, man möge ihm doch bitte seinen Hut aufsetzen, als er bereits den Strick um den Hals gelegt bekam.

Jim Miller- hanging : page 1
Jim Miller- hanging : page 1 19 Apr 1909, Mon Abilene Semi-Weekly Farm Reporter (Abilene, Texas) Newspapers.com

Mittwoch, 15. Mai 2024

Belle Starr: "Ich habe eine beträchtliche Ignoranz zu ertragen"

Belle Starr, geboren Myra Maybelle Shirley, stammte aus einer wohlhabenden Familie aus Missouri, wurde an einer Schule für feine Damen in Fremdsprachen und Etikette unterrichtet, ehe die Shirleys durch den Bürgerkrieg ihr Vermögen verloren und in Texas einen Neuanfang wagen sollten. Über ihren im Bürgerkrieg gefallenen Bruder, der mit den berüchtigten Quantrill's Raiders unter konföderierter Fahne ritt, lernte sie Jesse James und Cole Younger kennen - und sollte fortan viel Zeit im Umfeld weiterer berühmt-berüchtigter Outlaws verbringen. (Wir haben ihr Leben in der Podcast-Folge zu Belle Starr näher behandelt).

Schon während Ihrer Ehe mit Jim Reed, einem Weggefährten der Cole-Younger-Gang, wurden Ihr Verbrechen (oder wenigstens die Mitwissenschaft darüber) vorgeworfen. Nach dem Tod ihres ersten Ehemannes zog Sie ins Indianerterritorium, genau genommen in die Cherokee Nation, und heiratete mit Sam Starr einen weiteren steckbrieflich gesuchten Outlaw. Es mag wenig überraschen, dass Ihre freundschaftliche Nähe zu einigen der berüchtigtsten Outlaws dieser Zeit und Ihre Entscheidung, einen Cherokee zu heiraten, unter der weißen Bevölkerung des Oklahoma Territories mit Argwohn wahrgenommen wurde - was nur noch mehr zu ihrem Ruf beitragen sollte, eine "Banditenkönigin ("Queen of the Outlaws" zu sein).

Aber wie stand belle Starr selbst zu diesem Ruf? Etwa zwei Wochen nach ihrer bis heute ungeklärten Ermordung druckte der Talequah Arrow, eine in den Cherokee Nations erschienene Zeitung, einen Abriss über Ihr Leben ab, den sie mutmaßlich selbst verfasst hatte. Der Text zeichnet ein Bild von einer sehr gebildeten Frau, die von der sogenannten Zivilisation der anderen Amerikaner enttäuscht und verbittert war, eine Frau, die ihre eigenen Entscheidungen traf und sich wenig um die Meinung anderer "zivilisierter" Männer und Frauen scherte. In ihm bezeichnet Sie Jesse James als guten Freund, distanziert sich von der "Gesellschaft anderer Frauen (die ich durch und durch verabscheue)" und beklagt die Ignoranz einer "niederen Schicht schäbiger Weißer, die das Indianerterritorium zu ihrem Zufluchtsort gemacht haben, um keine Steuern für ihre Hunde zu zahlen." Es ist das Testament einer Frau, die mit der Gesellschaft ihrer Zeit abrechnet und beschlossen hat, ihren eigenen Weg zu gehen und bewusst kein Teil dieser Gesellschaft zu sein - was sie auf Ewigkeit als eine "Outlaw Queen" zeichnen sollte.

Belle Starr about herself - part 1Belle Starr about herself - part 1 21 Feb 1889, Thu The Tahlequah Arrow (Tahlequah, Oklahoma) Newspapers.com

Belle Starr about herself - part 2Belle Starr about herself - part 2 21 Feb 1889, Thu The Tahlequah Arrow (Tahlequah, Oklahoma) Newspapers.com

aa

Flora Mundis alias Tom King (Teil 2) – Wie sich Legenden bilden

"Desperado Tom King erschießt einen ihrer Verfolger" – mit dieser markigen Überschrift macht der Guthrie Daily Leader am 17.12.189...