Mittwoch, 13. Mai 2026

Flora Mundis alias Tom King (Teil 2) – Wie sich Legenden bilden


"Desperado Tom King erschießt einen ihrer Verfolger" – mit dieser markigen Überschrift macht der Guthrie Daily Leader am 17.12.1893 auf die flüchtige Flora Mundis aufmerksam. Tatsächlich tötete sie "nur" einen auf sie angesetzten Bluthund; aber nahm sich der Zeitung nach dennoch die Zeit, noch eine markige Botschaft an ihre Verfolger zu hinterlassen, ehe sie sich erneut absetzte. Von nun an werden die Geschichten über "Tom King" bunter – und je länger sie auf freiem Fuß blieb, unso wildere Blüten trieben die Zeitungsschreiber.


 Hier übrigens der Versuch des "Tribune-Democrat" aus Enid, Oklahoma, am 19.12.1893 mit einem Bild auf die Flüchtige aufmerksam zu machen. Im 19. Jahrhundert war es noch wirklich schwierig, aussagekräftige Bilder in Zeitungen unterzubringen...



 5. Januar 1894: Die Dalton-Doolin Gang, Henry Starr und Tom King werden in einem Atemzug als gefährliche flüchtige Verbrecher im Guthrie Daily Leader genannt. Flora Mundis war mittlerweile so berüchtigt geworden, dass ihr Name immer dann vermutet wurde, wenn Leute der Ansicht waren, eine Frau in Männerkleidung sei an einem Verbrechen beteiligt gewesen. Mehr als Mutmaßungen über ihren Verbleib können allerdings in diesen Monaten nicht angestellt werden.

  



Erst im August 1894 taucht Flora Mundis alias "Tom King" wieder auf – allerdings nicht in Oklahoma, sondern in Kansas. Dort wird sie erneut wegen Pferdediebstahls verhaftet. Den frühesten Vermerk konnten wir im Topeka State Journal (Topeka, Kansas) am 8.8.1894 finden, mehr Details bot allerdings dieser Artikel aus dem Weekly Oklahoma State Capital vom 11.8.  In ihrer Begleitung befindet sich dabei eine gewisse "Ettie McGee" alias Ed Bullock oder "Jessie Whitewings".  Die beiden Frauen sollten sich  bereits aus der Zeit in Oklahoma kennen, before Flora Mundis als "Tom King" Bekanntheit erlangte.

  

Die neuerliche Verhaftung von "Tom King" brachte allerdings, wie unter anderem der Wichita Daily Eagle (Wichita, Kansas) am 16. August 1894 meldete, unverhoffte Komplikationen mit sich; denn allen Umständen nach befand sich die gefasste Banditin im anderen Umständen. Die Zeitung lässt zwischen den Zeilen durchblicken, dass es wohl schwierig werden dürfte einen Richter im Oklahoma Territory zu finden, der bereit sei, eine schwangere Frau zu verurteilen. Am 23. August 1894 heißt es im Davis Progressive (Indian Territory), dass Flora Mundis bis zu einem angesetzten Gerichtstermin gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wurde. "Tom King" nutzte die Gelegenheit, zu verschwinden...und wurde anschließend nicht mehr im Oklahoma Territory gesehen, zumindest nicht offiziell.


 Im Januar 1895 – das genaue Datum für diesen Beitrag haben wir leider versäumt zu speichern – wird die weiterhin flüchtige Flora Mundis im Guthrie Daily Leader als die Anführerin einer "Bande von 13 verzweifelten [in diesem Kontext zu allem entschlossenen] Charakteren" bezeichnet, die die Ostgrenze des.Territoriums unsicher machen und "sie besten Pferde stehlen." Sie reitet wie ein Zentaur und ist ein herausragender Schütze mit Winchester und Revolver", heißt es ferner.

 

Diese Illustration aus dem "Coffeyville Daily Journal" (Coffeyville, Kansas – dem Ort, an dem auch die berüchtigten Dalton-Brüder begraben liegen), in dem eine ähnliche Fassung dieser Geschichte am 26.1.1895 abgedruckt wurde, wollten wir euch ebenfalls nicht vorenthalten.

 

Die Geschichte um Tom King alias Flora Mundis ging schließlich einige Jahre später auf tragische Weise zu Ende. Am 29. Januar 1903 berichtete die Bisbee Daily Review von einem tragischen Vorfall in Clifton, Arizona, bei dem ein unter Drogen stehender Mann namens William Garland in den frühen Morgenstunden des 28. Januar in die Wohnung einer Mrs. Neal, auch bekannt als "China Dot" eindrang und diese tödliche verwundete, Ehe er sich selbst das Leben nahm. "China Dot" erlag einige Stunden später ihren Verletzungen. "Mrs. Neal" hatte sich dem Bericht zufolge seit "etwa 7 Jahren" – also 1894 – in Clifton aufgehalten.

 

Einige Tage später sollte sich die wahre Identität von "China Dot" schließlich klären. Erstmals konnten wir eine entsprechende Verbindung im Oklahoma State Register, in der Ausgabe vom 5. Februar 1903, finden. Demnach sei bestätigt, dass es sich bei "China Dot" alias "Mrs. B.F. Neal" um niemand anderes als Flora Quick Mundis, besser bekannt als "Tom King", gehandelt habe.

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