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Dienstag, 29. April 2025

May 1881 - Billy the Kid: Der meistgesuchte Mann New Mexicos?

Billy the Kid zählt gemeinhin als einer der berüchtitgsten Banditen seiner Zeit. Spätestens nach seiner spektakulären Flucht am 28. April 1881, während der er zwei Deputy Sheriffs tötete, war sein Name im gesamten Land bekannt. Und Governeur Lew Wallace, der kurz zuvor noch den Hinrichtungsbefehl für den verurteilten Mörder unterzeichnet hatte, verlor wenig Zeit, um auf den flüchtigen Outlaw erneut ein Kopfgeld von 500$ für dessen Ergreifung auszuschreiben (Inflationsbereinigt etwa 15.000 $ nach heutiger Rechnung, also durchaus eine stolze Summe).

Lew Wallace rewardLew Wallace reward 12 May 1881, Thu The Santa Fe New Mexican (Santa Fe, New Mexico) Newspapers.com

In der Regel drängt sich der Eindruck aus, als wäre Bill the Kid der gefährlichste Mann New Mexicos gewesen; in der romantisch verklärten Erzählweise gilt er als der meistgesuchte Bandit des Territoriums. Aber das scheint, bei genauerer Betrachtung, nicht ganz zutreffend; denn er war nicht der einzige Verbrecher, auf dem im Mai 1881 ein dermaßen hohes Kopfgeld ausgeschrieben war...

Reward for Billy the Kid & The Stockton GangReward for Billy the Kid & The Stockton Gang 12 May 1881, Thu The Santa Fe New Mexican (Santa Fe, New Mexico) Newspapers.com

Denn in derselben Zeit, in der Billy the Kid sich wieder auf freiem Fuß befand, machte sich in San Juan County, New Mexico, die "Stockton Gang" einen Namen. Angeführt von Isaac "Ike" Stockton, brach diese Bande von Viehdieben und Banditen mit Simmons-Clan, einer Familie an Rinderzüchten, eine Privatfehde mit zahlreichen Schießereien und Lynchmorden vom Zaun, die in den Zeitungen dieser Tage auch als der "San Juan County War" bezeichnet wurde. Stockton wurde unter anderem beschuldigt, einen Mann namens Aaron Barker ermordet zu haben, worauf sich die Bande nach Colorado absetzte. Dort wurde auf ein Mitglied der Bande im August 1881 sogar ein Kopfgeld von 2.500 $ ausgesetzt, nachdem dieses US-Marshal Clate Ogsbury getötet hatte - gerüchtehalber lieferte Stockton daraufhin seinen eigenen Mann an die Behörden aus, um das Kopfgeld zu kassieren. Falls dies stimmt, scheint es ihn jedenfalls bei Gesetzeshütern nicht beliebter gemacht zu haben: Bei einer Schießerei mit einem Mann namens Jim Sullivan, Deputy Sheriff von Silverton, Colorado, im September 1881 wurde Ike Stockton ins Bein getroffen und verhaftet. Die Wunde entzündete sich. Der Versuch, tödlichen Wundbrand durch die Amputation des Beins zu verhindern, schlug fehl, und Der Outlaw starb am 27. September 1881 an seiner Verletzung. Angeblich soll Deputy Sheriff Jim Sullivan nach Stocktons Tod gesagt haben, wenn er eines mehr hasse als einen Mörder, dann sei dies ein Verräter.


Montag, 27. Mai 2024

"Die Besitzer von Rinderherden im großen Südwesten sind die erklärten Feinde der Schafzüchter"

 Die große Zeit der Rinderherden auf der Open Range wird oft romantisch verklärt, doch um das offene Weideland wurde bisweilen regelrecht Krieg geführt - zumindest von einer Seite: Den Rinderzüchtern, ob groß oder klein, war die Präsenz von Schafen auf dem Weideland regelrecht verhasst! Schafe, so hieß es, fräßen die Landschaft derart kahl, dass in der nächsten Saison kein Gras mehr für die Rinder nachwachse; sie jagten Rindern Angst ein und treibe Sie zur Flucht; sie brächten Krankheit und verbreiteten Gestank, so dass die Rinder Tränken meiden würden. Die Wahrheit war für gewöhnlich viel banaler: Die Rinderzüchter wollten keine Konkurrenz um "ihr" Weideland sehen, und nutzen ihre personelle Stärke - Rinderzüchter konnten viele Ranchhands und Cowboys anheuern, während Schafhirten meist nur in geringer Zahl zu zweit oder zu dritt unterwegs waren - aus, um die Konkurrenz einzuschüchtern - gelegentlich mit fatalem Ausgang.

Auch wenn die "Schafkriege" meist in das Ende des 19. Jahrhunderts gelegt werden, brannte der Konflikt für eine sehr lange Zeit: Bereits am 13.Oktober 1877 titelte die Wochenzeitschrift "Harper's Weekly" landesweit, dass in den Plains des Südwestens - womit meist die Regionen Arizona, New Mexico,  Colorado, Nevada, Oklahoma, Texas und Utah gemeint sind - die Rinderbarone den Schafzüchtern ewige Feindschaft geschworen hätten. Speziell in Colorado seien vermummte Cowboys, die Schafhirten bedrohen und Schafherden auf offener Weide keulen oder erschießen, keine Seltenheit:





Diese Konflikte flammten stets von neuem auf, mal in größerer, mal kleinerer Form, und dauerten bis ins 20. Jahrhundert an. Einer der letzten - und gemessen an verlorenen Menschenleben wohl auch tödlichsten - "Sheep Wars", der sogenannte "Spring Creek Raid", ereignete sich am 2. April 1909 in Wyoming: eine Gruppe von 7 vermummten Cowboys überfiel das Nachtlager von drei Schafhirten auf offener Weide. Die Auseinandersetzung endete blutig: zwei Schafhirten verbrannten in ihrem Schäferwagen. Doch die Zeit der übermächtig wirkenden Rinderbarone neigte sich dem Ende entgegen: Hatten in den 50 Jahren zuvor meist die Rinderzüchter die Oberhand behalten, kamen die Täter des Spring Creek Raid - man entschuldige den Wortwitz - nicht ungeschoren davon.

Donnerstag, 16. Mai 2024

"Über Spinnen in Colorado sollte man nicht lachen"

Achtung: Dieses Fundstück ist nichts für Arachnophobiker! 

Eines heutzutage weniger bekanntes, aber in Zeitungen des 19. Jahrhundert sehr verbreitetes Trope des Wilden Westens waren Erzählungen über die gigantischen oder seltsamen Kreaturen, die an der weit entfernten Frontier hausten. Einige dieser Schilderungen scheinen direkt aus einem Horrorfilm entsprungen zu sein. Als altem, erklärtem Fan des Rollenspiels Deadlands freue ich mich immer wieder über solche kurzen Notizen oder Berichte, die mehr als genug Futter für ein weiteres Western-Horror-Abenteuer im "Weird West" dienen könnten.

So etwa auch dieser kurze Beitrag aus dem "Potter Enterprise" aus Cloudersport, Pennsylvania, vom 1. Juli 1880, der etwas über die "Vogelgroßen, merkwürdige Geräusche" machenden Spinnen von Colorado erzählt, deren Spinnweben so fest seien, dass man damit sogar nähen könne...


"Über Spinnen in Colorado sollte man nicht lachen. In einer Höhle in der Nähe von Buena Vista sind sie so groß wie kleine Vögel und geben beim Weben ihres Netzes ein seltsames Geräusch von sich. Bei der Besichtigung der Höhle untersuchte ein Bergmann die Netze. Ihre Fäden hatten etwa die Größe eines 12er Fadens, und er dachte, dass man sie für einen Faden verwenden könnte. Da er eine Nadel hatte, brach er einen der Fäden ab und stellte fest, dass er genau passte. Als er einen losen Knopf annähte, stellte er fest, dass er so stark wie Seide war und jeden Zweck erfüllte."

Flora Mundis alias Tom King (Teil 2) – Wie sich Legenden bilden

"Desperado Tom King erschießt einen ihrer Verfolger" – mit dieser markigen Überschrift macht der Guthrie Daily Leader am 17.12.189...