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Sonntag, 28. Juli 2024

19. April 1909: Diakon Jim Miller, aka "Miller, the Killer", wird gelyncht

 Am 19. April 1909 fand die "Laufbahn" des bibelfesten Auftragsmörders Jim Miller ein jähes Ende: "Killer Miller" wurde von einem aufgebrachten Lynchmob aus seiner Gefängniszelle in Ada, Oklahoma, gezerrt und zusammen mit drei Komplizen an einem Dachbalken einer im Bau befindlichen Scheune aufgehängt.

Jim Miller lynched
Jim Miller lynched 23 Apr 1909, Fri Carlsbad Current-Argus (Carlsbad, New Mexico) Newspapers.com

Nachdem er im Auftrag dreier Rancher einen konkurrierenden Rinderzüchter namens A.A. Bobbitt ermordet hatte, verpfiff ein Mitwisser der Tat Miller und seine Komplizen an die Justiz. Jim Miller, dem zwischen den Jahren 1894 und 1909 wenigstens zwölf Morde zugeschrieben werden (die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich noch deutlich höher), hatte es bis dahin bestens verstanden, dem Gesetz auszuweichen. Obwohl er mehrmals wegen Mordanklagen vor Gericht landete, besaß Miller immer ein Alibi für seine Taten und verstand es bestens, keine Beweise zu hinterlassen. In der Nacht bevor er Sheriff "Bud Fraser" in Pecos City ermordete soll der gläubige Methodist Miller - der als so religiös galt, dass er in seinem Heimatort auch als "Deacon Jim", also Jim der Diakon, bekannt war - zu Hause eine Bibellesung gehalten haben. Anschließend ritt er in finsterer Nacht 40 Meilen nach Pecos City, vollstreckte seine Tat und ritt umgehend zurück, um am nächsten Morgen zu Hause die Kirche aufsperren zu können.

Auch wenn in weiten Teilen von Oklahoma und Texas Miller als "Killer" berüchtigt war, kam es nie zu einer Verurteilung. Daher fasste die Bevölkerung von Ada, Oklahoma, den Beschluss, nach seiner jüngsten Tat nicht ein weiteres Mal auf eine Verurteilung Millers zu hoffen und statt dessen das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen. Augenzeugen zufolge soll Miller die Taten des Lynchmobs gelassen abgewartet haben und am Ende noch kaltschnäuzig darum gebeten haben, man möge ihm doch bitte seinen Hut aufsetzen, als er bereits den Strick um den Hals gelegt bekam.

Jim Miller- hanging : page 1
Jim Miller- hanging : page 1 19 Apr 1909, Mon Abilene Semi-Weekly Farm Reporter (Abilene, Texas) Newspapers.com

Montag, 27. Mai 2024

"Die Besitzer von Rinderherden im großen Südwesten sind die erklärten Feinde der Schafzüchter"

 Die große Zeit der Rinderherden auf der Open Range wird oft romantisch verklärt, doch um das offene Weideland wurde bisweilen regelrecht Krieg geführt - zumindest von einer Seite: Den Rinderzüchtern, ob groß oder klein, war die Präsenz von Schafen auf dem Weideland regelrecht verhasst! Schafe, so hieß es, fräßen die Landschaft derart kahl, dass in der nächsten Saison kein Gras mehr für die Rinder nachwachse; sie jagten Rindern Angst ein und treibe Sie zur Flucht; sie brächten Krankheit und verbreiteten Gestank, so dass die Rinder Tränken meiden würden. Die Wahrheit war für gewöhnlich viel banaler: Die Rinderzüchter wollten keine Konkurrenz um "ihr" Weideland sehen, und nutzen ihre personelle Stärke - Rinderzüchter konnten viele Ranchhands und Cowboys anheuern, während Schafhirten meist nur in geringer Zahl zu zweit oder zu dritt unterwegs waren - aus, um die Konkurrenz einzuschüchtern - gelegentlich mit fatalem Ausgang.

Auch wenn die "Schafkriege" meist in das Ende des 19. Jahrhunderts gelegt werden, brannte der Konflikt für eine sehr lange Zeit: Bereits am 13.Oktober 1877 titelte die Wochenzeitschrift "Harper's Weekly" landesweit, dass in den Plains des Südwestens - womit meist die Regionen Arizona, New Mexico,  Colorado, Nevada, Oklahoma, Texas und Utah gemeint sind - die Rinderbarone den Schafzüchtern ewige Feindschaft geschworen hätten. Speziell in Colorado seien vermummte Cowboys, die Schafhirten bedrohen und Schafherden auf offener Weide keulen oder erschießen, keine Seltenheit:





Diese Konflikte flammten stets von neuem auf, mal in größerer, mal kleinerer Form, und dauerten bis ins 20. Jahrhundert an. Einer der letzten - und gemessen an verlorenen Menschenleben wohl auch tödlichsten - "Sheep Wars", der sogenannte "Spring Creek Raid", ereignete sich am 2. April 1909 in Wyoming: eine Gruppe von 7 vermummten Cowboys überfiel das Nachtlager von drei Schafhirten auf offener Weide. Die Auseinandersetzung endete blutig: zwei Schafhirten verbrannten in ihrem Schäferwagen. Doch die Zeit der übermächtig wirkenden Rinderbarone neigte sich dem Ende entgegen: Hatten in den 50 Jahren zuvor meist die Rinderzüchter die Oberhand behalten, kamen die Täter des Spring Creek Raid - man entschuldige den Wortwitz - nicht ungeschoren davon.

Flora Mundis alias Tom King (Teil 2) – Wie sich Legenden bilden

"Desperado Tom King erschießt einen ihrer Verfolger" – mit dieser markigen Überschrift macht der Guthrie Daily Leader am 17.12.189...