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Montag, 3. Februar 2025

17. 8. 1877: Kid Antrim alias "Billy the Kid" tötet Frank Cahill

Dem Outlaw Billy the Kid, alias William H. Bonney, alias William Antrim, alias "Kid" Antrim, alias Henry McCarty, wurde auf dem Höhepunkt seines gesetzlosen Treibens nachgesagt, er habe im Alter von gerade einmal 20 Jahren für jedes Jahr seines Lebens mindestens einen Mann auf dem Gewissen. Wie viele es wirklich gewesen sind ist bis heute unklar - man geht inzwischen in der Regel davon aus, dass es gerade einmal vier waren, wobei Billy bei diversen anderen Schießereien, in denen jemand ums Leben kam, zumindest beteiligt war.

Was wir wissen ist die erste belegte Tat, wegen der "The Kid" wegen Mordes belangt und gesucht wurde: Am 17. August 1877 tötete Billy in der Nähe von Camp Grant, Arizona, den etwa 32-jährigen gebürtigen Iren Frank Cahill nach einem Streit, in dem er ihm aus nächster Nähe in den Bauch schoss - Cahill sollte an dieser Verletzung am nächsten Tag sterben. Da Cahill bis zu seinem Dahinscheiden noch mehrere Stunden bei Bewusstsein blieb, konnte er noch auf dem Sterbebett seine letzte Aussage tätigen, die mehrere Zeitungen in Arizona (darunter der Arizona Weekly Star vom 23. August 1877) abdruckten:

23 Aug 1877, Thu Arizona Weekly Star (Tucson, Arizona) Newspapers.com

"Ich, Frank Cahill, in der Überzeugung dass ich bald sterben werde, mache die folgenden Worte als meine letzte Aussage: Ich wurde geboren im County und in der Stadt Galway, Irland; gestern, am 17. August 1877, hatte ich einigen Ärger mit Henry Antrim, auch als Kid bekannt, während dessen er auf mich schoss. Ich hatte ihn einen Pimpf genannt, und er nannte mich einen H----s---; wir ergriffen daraufhin einander; Ich habe ihn nicht geschlagen, denke ich; sah, wie er nach seiner Pistole griff, und versuchte sie zu greifen, aber ich konnte es nicht, und er schoss mir in den Bauch; Ich habe eine Schwester namens Margaret Flannagan, die in East Cambridge, Massachusetts, lebt, und eine weitere namens Kate Condea, die in San Francisco lebt,"

Tatsächlich sollte es Zeugen geben, die berichteten, dass sich Cahill auf Kid Antrim geworfen und auf ihn eingeschlagen hatte, bevor Antrim schoss; wenigstens ein Zeuge war der Auffassung, dass sich der Schuss im Gerangel zwischen den beiden wohl versehentlich gelöst haben konnte. Doch da William Antrim unmittelbar nach der Tat die Flucht ergriff, und ein Leichenbeschauer die Tötung als "kriminell und ungerechtfertigt beurteilte" (siehe den folgenden Bericht vom Arizona Weekly Citizen vom 25. August 1877), wurde "Kid Antrim" des Mordes beschuldigt und als Mörder in Arizona gesucht. Billy setzte sich daraufhin wieder zurück ins New Mexico Territory ab - wo er nur wenige Monate später direkt in den ausbrechenden Lincoln County War verwickelt werden sollte...

Cahill killing 1877Cahill killing 1877 25 Aug 1877, Sat Arizona Weekly Citizen (Tucson, Arizona) Newspapers.com


Montag, 17. Juni 2024

"Die demokratische Partei und das Volk haben zugestimmt, sich der Ursurpation zu unterwerfen..."

 Die Präsidentschaftswahlen von 1876 sollten mit einem kontroversen Ergebnis enden: Erstmals hatte ein Präsidentschaftskandidat die meisten Wahlmannsstimmen aus gewonnenen Staaten erringen können, obwohl sein Gegner mehr Stimmen aus der Bevölkerung errungen hatte. Das war in den Vereinigten Staaten der Nach-Bürgerkriegszeit eine besonders prekäre Situation: Die noch regierenden Republikaner hatten Truppen in den Staaten des Südens stationiert, die für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und der Bürgerrechte sorgen sollten. Die Demokraten des Südens warfen dagegen den Republikanern Korruption und Selbstbereicherung vor. Nun hatte mit Samuel Tilden ein Kandidat der Demokraten offiziell mehr Stimmern erlangt als Rutherford B. Hayes, der Kandidat der Republikaner - und sollte trotzdem nicht Präsident werden. Gerade einmal 12 Jahre nach Ende des Sezessionskriegs drohte nun dieses Szenario abermals, einen neuen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen.

Ein Sonderausschuss des Kongresses sowie eine Reihe von Absprachen zwischen den beiden Parteien endeten im "Kompromiss von 1877": Rutherford B. Hayes wurde als Präsident der Vereinigten Staaten bestätigt. Dafür, dass die Demokraten ihre Zustimmung gaben, sollten im Gegenzug alle föderalen Truppen aus den Staaten der ehemaligen Konföderation abgezogen und die Einhaltung der Bürgerrechte den gewählten Vertreten jener Staaten selbst überlassen werden. Rutherford Hayes stimmte zudem zu, nur für eine Amtszeit als Präsident anzuteten und somit seine Regierung auf garantierte vier Jahre zu beschränken. Die "Reconstruction", das Wiederherstellen der gesamten Union, war offiziell beendet.

Im Norden der Vereinigten Staaten (wie auch in zahlreichen Zeitungen Europas) wurde dieses "Einknicken" der Republikaner gegenüber dem einst rebellischen Süden als ein "Teufelspakt" wahrgenommen (wie etwa die hier gezeigte politische Karikatur von Joseph Keppler aus dem deutschen Satiremagazin Puck von 1877, in der sich Präsident Hayes mit einer "Southern Belle" davonmacht während Mephistopheles am Wegesrand steht, eindrucksvoll zeigt). Im Süden der Vereinigten Staaten sah die Stimmung dagegen deutlich anders aus, wie dieser beispielhafte Kommentar aus der Morristown Gazette (Morristown, Tennessee) vom 7. März 1877 zeigt: Dort wird den seit dem Bürgerkrieg regierenden Republikanern - und speziell Rutherford Hayes - unverhohlen mit Abneigung und Vorbehalten hinsichtlich undemokratischen Verhaltens begegnet, der Ausgang der wahl als "Ursapation" [sic] angesehen und der Kompromiss als das einzige Mittel gesehen, um die anhaltende Spaltung der Nation endlich zu beenden:

Hayes announced as President
Hayes announced as President 07 Mar 1877, Wed The Morristown Gazette (Morristown, Tennessee) Newspapers.com

"ES IST VOLLBRACHT. Die Große Kommission hat ihre Arbeit abgeschlossen. R. B. Hayes aus Ohio ist zum Präsidenten der Vereinigten Staaten für vier Jahre ab dem vierten März 1877 ernannt worden. Wie dieses Ergebnis zustande gekommen ist, wissen und verstehen alle Menschen im Lande. Wir brauchen jetzt nicht darauf einzugehen. Die Demokratische Partei und das Volk sind übereingekommen, sich eher der Usapation [sic] zu unterwerfen als in einen Bürgerkrieg zu stürzen.

Wir werden der Regierung des neuen Präsidenten keine verfängliche, unruhige Opposition entgegensetzen. Da wir nichts Gutes erwarten, hoffen wir immer noch, dass sie eine Verbesserung dessen sein wird, was wir in den letzten acht Jahren ertragen mussten. Die Menschen sind des Streits müde. Falls Mr. Hayes als der Präsident des ganzen Volkes und nicht das Oberhaupt einer selbstsüchtigen, herzlosen, korrupten Partei ist; wenn er sich von der Kontrolle der Berufspolitiker befreien und sich zur Würde eines Staatsmannes erheben könnte; wenn er den Menschen im Süden die Freiheit lässt, ihre eigenen Staatsangelegenheiten auf ihre Weise zu regeln; dann können wir in der Tat erwarten, dass der Friede in die gesamte Union zurückkehrt.

Vier Jahre im Leben einer Nation sind nur eine Spanne. Eine schwache, korrupte oder schlechte Regierung für diese Zeitspanne kann den Fortschritt des Volkes etwas lähmen, aber sie kann keinen dauerhaften Schaden anrichten. Im Großen und Ganzen sind wir also keineswegs entmutigt oder verzagt. Wir verlassen uns auf das Volk, in das wir uneingeschränktes Vertrauen haben."

(Mehr zu Präsident Hayes, der Reconstruction und wie es zu diesem Kompromiss kam gibt es übrigens in unserer Podcast-Folge vom 24. Juni zu hören).


Montag, 27. Mai 2024

"Die Besitzer von Rinderherden im großen Südwesten sind die erklärten Feinde der Schafzüchter"

 Die große Zeit der Rinderherden auf der Open Range wird oft romantisch verklärt, doch um das offene Weideland wurde bisweilen regelrecht Krieg geführt - zumindest von einer Seite: Den Rinderzüchtern, ob groß oder klein, war die Präsenz von Schafen auf dem Weideland regelrecht verhasst! Schafe, so hieß es, fräßen die Landschaft derart kahl, dass in der nächsten Saison kein Gras mehr für die Rinder nachwachse; sie jagten Rindern Angst ein und treibe Sie zur Flucht; sie brächten Krankheit und verbreiteten Gestank, so dass die Rinder Tränken meiden würden. Die Wahrheit war für gewöhnlich viel banaler: Die Rinderzüchter wollten keine Konkurrenz um "ihr" Weideland sehen, und nutzen ihre personelle Stärke - Rinderzüchter konnten viele Ranchhands und Cowboys anheuern, während Schafhirten meist nur in geringer Zahl zu zweit oder zu dritt unterwegs waren - aus, um die Konkurrenz einzuschüchtern - gelegentlich mit fatalem Ausgang.

Auch wenn die "Schafkriege" meist in das Ende des 19. Jahrhunderts gelegt werden, brannte der Konflikt für eine sehr lange Zeit: Bereits am 13.Oktober 1877 titelte die Wochenzeitschrift "Harper's Weekly" landesweit, dass in den Plains des Südwestens - womit meist die Regionen Arizona, New Mexico,  Colorado, Nevada, Oklahoma, Texas und Utah gemeint sind - die Rinderbarone den Schafzüchtern ewige Feindschaft geschworen hätten. Speziell in Colorado seien vermummte Cowboys, die Schafhirten bedrohen und Schafherden auf offener Weide keulen oder erschießen, keine Seltenheit:





Diese Konflikte flammten stets von neuem auf, mal in größerer, mal kleinerer Form, und dauerten bis ins 20. Jahrhundert an. Einer der letzten - und gemessen an verlorenen Menschenleben wohl auch tödlichsten - "Sheep Wars", der sogenannte "Spring Creek Raid", ereignete sich am 2. April 1909 in Wyoming: eine Gruppe von 7 vermummten Cowboys überfiel das Nachtlager von drei Schafhirten auf offener Weide. Die Auseinandersetzung endete blutig: zwei Schafhirten verbrannten in ihrem Schäferwagen. Doch die Zeit der übermächtig wirkenden Rinderbarone neigte sich dem Ende entgegen: Hatten in den 50 Jahren zuvor meist die Rinderzüchter die Oberhand behalten, kamen die Täter des Spring Creek Raid - man entschuldige den Wortwitz - nicht ungeschoren davon.

Flora Mundis alias Tom King (Teil 2) – Wie sich Legenden bilden

"Desperado Tom King erschießt einen ihrer Verfolger" – mit dieser markigen Überschrift macht der Guthrie Daily Leader am 17.12.189...