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Dienstag, 29. April 2025

May 1881 - Billy the Kid: Der meistgesuchte Mann New Mexicos?

Billy the Kid zählt gemeinhin als einer der berüchtitgsten Banditen seiner Zeit. Spätestens nach seiner spektakulären Flucht am 28. April 1881, während der er zwei Deputy Sheriffs tötete, war sein Name im gesamten Land bekannt. Und Governeur Lew Wallace, der kurz zuvor noch den Hinrichtungsbefehl für den verurteilten Mörder unterzeichnet hatte, verlor wenig Zeit, um auf den flüchtigen Outlaw erneut ein Kopfgeld von 500$ für dessen Ergreifung auszuschreiben (Inflationsbereinigt etwa 15.000 $ nach heutiger Rechnung, also durchaus eine stolze Summe).

Lew Wallace rewardLew Wallace reward 12 May 1881, Thu The Santa Fe New Mexican (Santa Fe, New Mexico) Newspapers.com

In der Regel drängt sich der Eindruck aus, als wäre Bill the Kid der gefährlichste Mann New Mexicos gewesen; in der romantisch verklärten Erzählweise gilt er als der meistgesuchte Bandit des Territoriums. Aber das scheint, bei genauerer Betrachtung, nicht ganz zutreffend; denn er war nicht der einzige Verbrecher, auf dem im Mai 1881 ein dermaßen hohes Kopfgeld ausgeschrieben war...

Reward for Billy the Kid & The Stockton GangReward for Billy the Kid & The Stockton Gang 12 May 1881, Thu The Santa Fe New Mexican (Santa Fe, New Mexico) Newspapers.com

Denn in derselben Zeit, in der Billy the Kid sich wieder auf freiem Fuß befand, machte sich in San Juan County, New Mexico, die "Stockton Gang" einen Namen. Angeführt von Isaac "Ike" Stockton, brach diese Bande von Viehdieben und Banditen mit Simmons-Clan, einer Familie an Rinderzüchten, eine Privatfehde mit zahlreichen Schießereien und Lynchmorden vom Zaun, die in den Zeitungen dieser Tage auch als der "San Juan County War" bezeichnet wurde. Stockton wurde unter anderem beschuldigt, einen Mann namens Aaron Barker ermordet zu haben, worauf sich die Bande nach Colorado absetzte. Dort wurde auf ein Mitglied der Bande im August 1881 sogar ein Kopfgeld von 2.500 $ ausgesetzt, nachdem dieses US-Marshal Clate Ogsbury getötet hatte - gerüchtehalber lieferte Stockton daraufhin seinen eigenen Mann an die Behörden aus, um das Kopfgeld zu kassieren. Falls dies stimmt, scheint es ihn jedenfalls bei Gesetzeshütern nicht beliebter gemacht zu haben: Bei einer Schießerei mit einem Mann namens Jim Sullivan, Deputy Sheriff von Silverton, Colorado, im September 1881 wurde Ike Stockton ins Bein getroffen und verhaftet. Die Wunde entzündete sich. Der Versuch, tödlichen Wundbrand durch die Amputation des Beins zu verhindern, schlug fehl, und Der Outlaw starb am 27. September 1881 an seiner Verletzung. Angeblich soll Deputy Sheriff Jim Sullivan nach Stocktons Tod gesagt haben, wenn er eines mehr hasse als einen Mörder, dann sei dies ein Verräter.


Montag, 28. April 2025

20. Januar 1881 - Ein Interview mit Billy the Kid

 Am 23. Dezember wurden Billy the Kid, Dave Rudabaugh und Billy Wilson von Sheriff Pat Garrett geschnappt und ins Gefängnis nach Lincoln County gebracht. Dort sollten Sie einsitzen, bis Ihnen im April in Mesilla der Prozess gemacht werden sollte. Billy sah sich speziell zwei Anklagen gegenüber: Der Tötung von Andrew "Buckshot" Roberts, und dem Mord an Lincoln County Sheriff William Brady.

Während dieser Haft gelang es einem Reporter, ein Interview mit den inhaftierten Banditen zu führen, dass am 20. Januar 1881 in der Las Vegas Gazette erschien. Es zeichnet ein erstaunlich entspanntes Bild, dass Billy an den Tag zu legen schien, während er auf seinen Mordprozess wartete; er und seine Gefährten scherzen, die Banditen beschweren sich, dass so ziemlich jedes Verbrechen im Land ihnen in die Schuhe geschoben würde - oder dass jeder, der eines Verbrechens in Lincoln County beschuldigt werde, gleich als Mitglied von Billy's Bande gelte - und als The Kid selbst befragt wird, was er von seinem Ruf als gefährlicher Outlaw halte, entgegnet dieser nur, "dass damit kein Geld zu verdienen ist."

20 Jan 1881, Thu The Las Vegas Gazette (Las Vegas, New Mexico) Newspapers.com

Generell scheinen die inhaftierten Outlaws noch guter Dinge zu sein. Die Lage sollte sich speziell für Billy bald ändern, als er im April 1881 schließlich dem Richter in Mesilla vorgeführt werden sollte...

Montag, 10. Februar 2025

12.August 1881: Billy the Kid - "Sein wahrer Name war McCarthy"

 Bei allen fantastischen Lügengeschichten, die über das Leben und die Eskapaden von Billy the Kid berichtet wurden: es ist doch davon auszugehen, dass es zu Lebzeiten von "William Bonney" auch im Lincoln County einige Leute gab, die über die wahre Herkunft von "The Kid" Bescheid wussten - oder besser Bescheid wussten als die Sensationsgier verschiedener Zeitungen, die alle für sich beanspruchen wollten, die wahre Herkunft des berüchtigten Outlaws ausgemacht zu haben.

Inmitten dieser zahlreichen Falschmeldungen geht die Wahrheit leicht verloren. Es findet sich aber hin und wieder auch in zeitgenössischen Quellen auch ein Beitrag, der sich entschieden gegen die Sensationslust stellt - und der tatsächlich ein paar belegbare Fakten liefert, anhand derer sich die Herkunft von Billy The Kid - oder eine mögliche Identität - besser herausfinden lässt. Ein solcher Beitrag im Lancaster daily intelligencer (Pennsylvania, 12. August 1881, wohl zuerst abgedruckt im St. Louis Globe-Democrat, Missouri), der als Leserzuschrift wohl in direkter Reaktion auf die Sensationsmeldung in der Philadelphia Times vom 19, Juli 1881 entstanden ist, liefert einiger solche Fakten: Dass sein richtiger Familienname "MacCarthy" gewesen sei; dass er in New York geboren wurde; dass seine Mutter einen "Mann namens Antum" geheiratet habe und sich in Silver City, New Mexico, mit diesem niederließ, und dass dort noch ein Bruder von ihm lebe; dass er dort erstmals mit 15 Jahren wegen Ladendiebstahls verhaftet wurde; und dass er erstmals im Alter von "16 oder 17 Jahren" einen Mann in Arizona tötete. 

Quelle: Chronicling America - Library of Congress

Die meisten Historiker gehen davon aus, dass das hier gezeichnete Bild des jungen "Billy The Kid" der Wahrheit entspricht. Einzig der Vorname war nicht korrekt: Der Junge, von dem hier die Rede ist, hieß nicht "Billy" sondern Henry McCarthy, aber sein Stiefvater hieß William Antrim - und dessen Namen hatte Henry McCarthy angenommen, als er im Alter von 17 Jahren bei Fort Grant einen 32-jährigen Iren namens Frank Cahill im Streit erschoss...

Montag, 3. Februar 2025

17. 8. 1877: Kid Antrim alias "Billy the Kid" tötet Frank Cahill

Dem Outlaw Billy the Kid, alias William H. Bonney, alias William Antrim, alias "Kid" Antrim, alias Henry McCarty, wurde auf dem Höhepunkt seines gesetzlosen Treibens nachgesagt, er habe im Alter von gerade einmal 20 Jahren für jedes Jahr seines Lebens mindestens einen Mann auf dem Gewissen. Wie viele es wirklich gewesen sind ist bis heute unklar - man geht inzwischen in der Regel davon aus, dass es gerade einmal vier waren, wobei Billy bei diversen anderen Schießereien, in denen jemand ums Leben kam, zumindest beteiligt war.

Was wir wissen ist die erste belegte Tat, wegen der "The Kid" wegen Mordes belangt und gesucht wurde: Am 17. August 1877 tötete Billy in der Nähe von Camp Grant, Arizona, den etwa 32-jährigen gebürtigen Iren Frank Cahill nach einem Streit, in dem er ihm aus nächster Nähe in den Bauch schoss - Cahill sollte an dieser Verletzung am nächsten Tag sterben. Da Cahill bis zu seinem Dahinscheiden noch mehrere Stunden bei Bewusstsein blieb, konnte er noch auf dem Sterbebett seine letzte Aussage tätigen, die mehrere Zeitungen in Arizona (darunter der Arizona Weekly Star vom 23. August 1877) abdruckten:

23 Aug 1877, Thu Arizona Weekly Star (Tucson, Arizona) Newspapers.com

"Ich, Frank Cahill, in der Überzeugung dass ich bald sterben werde, mache die folgenden Worte als meine letzte Aussage: Ich wurde geboren im County und in der Stadt Galway, Irland; gestern, am 17. August 1877, hatte ich einigen Ärger mit Henry Antrim, auch als Kid bekannt, während dessen er auf mich schoss. Ich hatte ihn einen Pimpf genannt, und er nannte mich einen H----s---; wir ergriffen daraufhin einander; Ich habe ihn nicht geschlagen, denke ich; sah, wie er nach seiner Pistole griff, und versuchte sie zu greifen, aber ich konnte es nicht, und er schoss mir in den Bauch; Ich habe eine Schwester namens Margaret Flannagan, die in East Cambridge, Massachusetts, lebt, und eine weitere namens Kate Condea, die in San Francisco lebt,"

Tatsächlich sollte es Zeugen geben, die berichteten, dass sich Cahill auf Kid Antrim geworfen und auf ihn eingeschlagen hatte, bevor Antrim schoss; wenigstens ein Zeuge war der Auffassung, dass sich der Schuss im Gerangel zwischen den beiden wohl versehentlich gelöst haben konnte. Doch da William Antrim unmittelbar nach der Tat die Flucht ergriff, und ein Leichenbeschauer die Tötung als "kriminell und ungerechtfertigt beurteilte" (siehe den folgenden Bericht vom Arizona Weekly Citizen vom 25. August 1877), wurde "Kid Antrim" des Mordes beschuldigt und als Mörder in Arizona gesucht. Billy setzte sich daraufhin wieder zurück ins New Mexico Territory ab - wo er nur wenige Monate später direkt in den ausbrechenden Lincoln County War verwickelt werden sollte...

Cahill killing 1877Cahill killing 1877 25 Aug 1877, Sat Arizona Weekly Citizen (Tucson, Arizona) Newspapers.com


Montag, 27. Januar 2025

30. Juli 1881: Der kleine "Billy The Kid" - Jugendlicher Bandit einer "Gang of New York"?



 Kurz nach dem Tod von Billy the Kid im Juli 1881 sollten Zeitungen aus nahezu jedem der Staaten der USA - wie es der New York Dispatch am 14. August 1881 formschön ausdrückte - derart danach streben, Billy the Kid als einen "Einheimischen" ihres Staates zu identifizieren, dass "die Aufmerksamkeit eines jungen Burschen von dem Gedanken, einmal Präsident werden zu wollen, abgelenkt [werde], und er nun täglich über um ein hervorragende Schütze und berühmter Assassine zu werden."


Quelle: Chronicling America - Library of Congress

Noch während Billy's Lebzeiten kristallisierte sich allerdings heraus, dass "The Kid" wohl in New York geboren wurde oder zumindest mehrere Jahre seiner Kindheit dort verbracht haben soll. Eine der gängigsten Theorien verortet die Geburt Billy's in die sogenannten "Five Points" von New York - einer Gegend, die von vielen irischen Einwanderern bewohnt wurde, die aber auch von Armut und Bandenkriminalität geprägt war. Wer den Film "Gangs of New York" gesehen hat, mag sich ein Bild davon machen, wie es in den Five Points in Billy's Kindheitstagen zugegangen sein mag.

Was gäbe es Naheliegenderes als anzunehmen, dass Billy tatsächlich in Kindestagen ein Bandenmitglied einer solchen "Gang of New York" gewesen sein mag? Genau das tat so manche New Yorker Zeitung in dieser Zeit, wie beispielsweise hier der New York Dispatch vom 31. Juli 1881 - ja, eben jene Zeitung, in der jemand nur zwei Wochen später sich jemand über die Sensationslust dieser "Billy the Kid" Artikel beklagen sollte.

Quelle: Chronicling America - Library of Congress

In diesem Artikel, der sich um sogenannte "Growler Clubs" dreht - Kaschemmen, in denen "Säufer geschaffen und Diebe gelehrt" werden - wird Billy the Kid als ein Miglied der sogenannten "Sixth Ward Gang" identifiziert, zu der auch Getalten wie "Cow Leg" Sam, "The Blower", "Butch" McCarthy (!), "Red" Leary oder "Shang" Draper gezählt werden. Es ist faszinierend, wie dieser Beitrag - der sich eigentlich um das kriminelle Nachtleben und den schlechten Einfluss solcher Tavernen auf Jugendliche in New York dreht - darauf zurückgreift, einfach den Namen des zu dem Zeitpunkt berüchtigsten Outlaws des Wilden Westens fallen zu lassen, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. (Der Historiker Frederick Nolan hat im Übrigen Belege gefunden, dass es in der Unterwelt von New York tatsächlich einen Mann namens Henry McCarthy gab, der in den 1870er Jahren in New York einen anderen Mann mit einem Messer erstach und der wohl zu dieser kriminellen Halbwelt New Yorks gezählt hatte. Da der Name McCarthy allerdings sehr weit verbreitet war - und auch heute noch ist - ist wohl davon auszugehen, dass der New York Dispatch einem Irrtum aufgesessen ist. Ja, ein Henry McCarthy könnte wahrscheinlich Mitglied der Sixth Ward Gang gewesen sein. Aber dieser  McCarthy war nicht derselbe, der später einmal "Billy the Kid" werden sollte...

Montag, 20. Januar 2025

3. August 1881 - "Die Geschichte eines Outlaws": Wilde Fantastereien über den Gesetzlosen "Billy the Kid"

 Der Lincoln County War und die Eskapaden von Billy the Kid fielen in eine Zeit, in der Groschenromane über den Wilden Westen, aber aus Sensationsjournalismus in einem vorher noch nie dagewesenem Maß produziert wurden. Die Brutalität des "Cowboy-Kriegs" in New Mexico und die draufgängerische, dramatische Art und Weise, mit der Billy the Kid aus gefährlichen Schießereien und dem Zugriff seiner Häscher ein ums andere Mal entkam, beflügelte die Neugier und Sensationslust von Zeitungslesern im gesamten Land. Bald schon war der gerade einmal 21-jährige Billy der berühmteste und berüchtigste Outlaw der gesamten Vereinigten Staaten.

Und je wilder diese Geschichten wurden, um so mehr entfernten sich die Berichte darüber von der Realität. Noch zu Lebzeiten nahmen die Geschichten über den "Bandenführer" Billy the Kid immer fantastischere Züge an - und nach seinem Tod lieferten sich Zeitungen geradezu ein Wettrennen mit neuen "Enthüllungen" über das Leben des "Banditenkönigs". Diese - meist frei erfundenen - Geschichten sorgen dafür, dass es heute umso schwerer ist, genaue, belegbare Informationen über das Leben des jungen Mannes zu erfahren, der er war, bevor ein junger Mann namens "William H. Bonney" im Herbst 1877 in Lincoln County, New Mexico, auftauchte und sich dort bald als "Billy, the Kid" einen Namen machen sollte.

Ein besonders herrliches Beispiel einer solchen "Enthüllungsstory" über die "Geschichte eines Outlaws" - an der so ziemlich gar nichts stimmt - konnte ich im Clearfield Republican (Clearfield, Pennsylvania) vom 3. August 1881 finden. Der Bericht wurde wohl aus der Philadelphia Times vom 19. Juli 1881 übernommen und entstand damit gerade einmal wenige Tage nach Billy's Tod am 14. Juli 1881. Der Artikel liefert einige Wilde Beschreibungen zu The Kid. Zu meinen persönlichen Highlights zählen ein regelrechtes Kastell ("Castle"), dass Billy und seine Gang in der Wüste von New Mexico bewohnen sollte; dass diese "Festung" ("stronghold") groß und stark genug sei, um über 200 Rinder in ihrem Inneren zu beherbergen und einem Ansturm von Texas Rangern standhalten konnte;  dass der "boy demon" bei seinen Eskapaden einen mit Gold und Juwelen besetzten Hut aus Biberfell tragen sollte, der allein 300$ gekostet haben mag; und dass er in Irland geboren wurde um mit 16 Jahren in Texas erstmals getötet haben soll, nachdem er den Sohn eines reichen Mannes im Handgemenge tötete, nachdem sich dieser abfällig über Billy's Vater geäußert haben soll. 

Nichts davon entspricht der Wahrheit, aber es ist ein spannendes, von erfundenen Zitaten und wilden Eskapaden geprägtes Lesestück!



Quelle: Chronicling America - Library of Congress

Montag, 9. Dezember 2024

20. November 1903: Tom Horn wird gehängt

 Tom Horn hatte ein überaus bewegtes Leben hinter sich: Mit 14 verließ er das Elternhaus in Missouri, um sich zunächst als Kutscher in Kansas und in New Mexico durchzuschlagen, eher er in Arizona zum Cowboy, Dolmetscher und Scout wurde. Er war bei der Kapitulation des Apachen-Kriegers Geronimo anwesend, diente während des berüchtigten Pleasant Valley Wars als Hilfssheriff unter drei verschiedenen Sheriffs und heuerte schließlich als Detektiv bei der berühmten Pinkerton Detective Agency an.

Doch es sollte in erster Linie seine Tätigkeit als "Range Detective" in Wyoming sein, für die er auf zweifelhafte Art berühmt werden sollte. In den sich spätestens seit dem Johnson County War immer drastischer zuspitzenden Auseinandersetzungen zwischen den großen Rinder-Ranchern auf der einen und neu ankommenden Siedlern und Schafhirten auf der anderen Seite ergriff Horn eindeutig Partei: Er ließ sich dafür bezahlen, mutmaßliche "Viehdiebe" aufzuspüren und zu töten. Während vor allem die Viehzüchter in Wyoming Horn als einen hart durchgreifenden Mann feierten, der Rustlern nachhaltig das Fürchten lehrte, sahen viele andere in Horn nur den Handlanger der Interessen der reichen Rinderbarone. 500 bis 600$ soll Horn für jeden seiner "Aufträge" erhalten haben.

Als aber am 15. Juli 1901 der 14-jährige Willie Nickel, Sohn eines Schafhirten, ermordet aufgefunden wurde, fand die Laufbahn Tom Horns ein jähes Ende. Obwohl bis heute Zweifel daran bestehen, dass er der wirkliche Täter war, wurde Horn für schuldig befinden und am 20. November 1903 wegen Mordes am Galgen hingerichtet. Die Vollstreckung des Urteils wurde fast im gesamten Land vermeldet; Zeituzngen, wie die Deseret Evening News (Deseret, Utah) nutzen die Gelegenheit, um große Profile über den bis heute umstrittenen Tom Horn zu veröffentlichen - ein letztes Relikt aus dem Wilden Westen, für das im 20. Jahrhundert kein Platz mehr war.

Quelle: Chronicling America - Library of Congress


Donnerstag, 10. Oktober 2024

21.8.1895: "He was Bad" - John Wesley Hardin tot, El Paso erleichtert

 Das John Wesley Hardin ein berüchtigter Revolverheld mit einem aufbrausendem und leicht reizbaren Temperament, haben wir in unseren Podcast-Folgen ausführlich besprochen. Nicht zu unrecht gilt Hardin als der Wildwest-Outlaw, der die meisten Menschenleben auf dem Gewissen hat.

Mit welcher Erleichterung allerdings die Zeitungen in El Paso die Nachricht aufgenommen haben, dass Hardin in einem Saloon von Constable John Selman Sr. regelrecht ermordet wurde, hat mich dann doch überrascht:

Hardins Death -
Hardins Death - "He was bad" 21 Aug 1895, Wed El Paso Times (El Paso, Texas) Newspapers.com

Ja, "die Bürger von El Paso haben erleichtert aufgeatmet, als sie gestern früh in der TIMES die Nachricht von der Tötung von John Wesley Hardin Montag Nacht im Acme [Soloon] durch John Selman gelesen haben. Einige sagen es war Mord, aber alle sind sich einig dass das zu erwarten war. Drei von vier Personen sagen dass Captain Selman das richtige getan hat, als er Hardin tötete und dabei kein Risiko einging [Selman schoss Hardin von hinten mit einem Gewehr in den Kopf], während die vierte zugab dass Hardin's Tod gut für El Paso ist, aber dass sie denken, er hätte "eine Vorführung für seinen weißen Verbündeten" bekommen sollen."

Die El Paso Times zeichnet anlässlich des Todes auch ein sehr wenig schmeichelhaftes Bild vom Leben John Wesley Hardins und widmet dem Ereignis fast eine gesamte Seite seiner Ausgabe. Auch wenn Hardin berühmt, berüchtigt und womöglich auch respektiert wurde während seiner letzten Lebensmonate in El Paso - sonderlich hoch geschätzt wurde er offensichtlich nicht.


Mittwoch, 18. September 2024

4000$ - Tot oder lebendig!

 Die meisten "Wanted"-Plakate, die man bei oberflächlichen Suchen im Internet zu sehen bekommt, tragen unfassbar inflationäre Kopfgeldsummen von oft mehreren Tausend Dollars. Tatsächlich betrugen Kopfgelder selten mehr als einige wenige Hundert - selbst auf den berüchtigten "Billy The Kid" wurden nach seiner Flucht aus dem Gefängnis 1881, "nur" 500 Dollar ausgeschrieben und bei dieser Flucht hat er immerhin drei Menschen getötet. Die Summe ist aber gar nicht gering,  wenn man bedenkt, dass ein Dollar im Jahr 1881 nach heutigen Verhältnissen eine Kaufkraft von mehr als 30 Dollar hätte.

Es gibt aber auch Ausnahmen, und eine davon gilt niemand geringerem als dem wohl tödlichsten Revolverhelden seiner Zeit: John Wesley Hardin.

Im Januar 1875 beschloss der Senat von Texas, angestoßen vom Gouverneur höchstpersönlich, mit einer überwältigenden Mehrheit von 69 zu 9 Stimmen, dass der Staat Texas auf die Ergreifung John Wesley Hardin ein Kopfgeld von 4.000$ aussetzen würde - tot oder lebendig! Zu diesem Zeitpunkt wurden Hardin bis zu 27 Morde zugeschrieben. Nach einigen modernen Schätzungen könnte die Zahl bei bis zu 42 liegen - die meisten davon in einem Zeitraum von weniger als sechs Jahren.

reward for Hardinreward for Hardin 21 Jan 1875, Thu The Austin Weekly Statesman (Austin, Texas) Newspapers.com

Sonntag, 28. Juli 2024

19. April 1909: Diakon Jim Miller, aka "Miller, the Killer", wird gelyncht

 Am 19. April 1909 fand die "Laufbahn" des bibelfesten Auftragsmörders Jim Miller ein jähes Ende: "Killer Miller" wurde von einem aufgebrachten Lynchmob aus seiner Gefängniszelle in Ada, Oklahoma, gezerrt und zusammen mit drei Komplizen an einem Dachbalken einer im Bau befindlichen Scheune aufgehängt.

Jim Miller lynched
Jim Miller lynched 23 Apr 1909, Fri Carlsbad Current-Argus (Carlsbad, New Mexico) Newspapers.com

Nachdem er im Auftrag dreier Rancher einen konkurrierenden Rinderzüchter namens A.A. Bobbitt ermordet hatte, verpfiff ein Mitwisser der Tat Miller und seine Komplizen an die Justiz. Jim Miller, dem zwischen den Jahren 1894 und 1909 wenigstens zwölf Morde zugeschrieben werden (die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich noch deutlich höher), hatte es bis dahin bestens verstanden, dem Gesetz auszuweichen. Obwohl er mehrmals wegen Mordanklagen vor Gericht landete, besaß Miller immer ein Alibi für seine Taten und verstand es bestens, keine Beweise zu hinterlassen. In der Nacht bevor er Sheriff "Bud Fraser" in Pecos City ermordete soll der gläubige Methodist Miller - der als so religiös galt, dass er in seinem Heimatort auch als "Deacon Jim", also Jim der Diakon, bekannt war - zu Hause eine Bibellesung gehalten haben. Anschließend ritt er in finsterer Nacht 40 Meilen nach Pecos City, vollstreckte seine Tat und ritt umgehend zurück, um am nächsten Morgen zu Hause die Kirche aufsperren zu können.

Auch wenn in weiten Teilen von Oklahoma und Texas Miller als "Killer" berüchtigt war, kam es nie zu einer Verurteilung. Daher fasste die Bevölkerung von Ada, Oklahoma, den Beschluss, nach seiner jüngsten Tat nicht ein weiteres Mal auf eine Verurteilung Millers zu hoffen und statt dessen das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen. Augenzeugen zufolge soll Miller die Taten des Lynchmobs gelassen abgewartet haben und am Ende noch kaltschnäuzig darum gebeten haben, man möge ihm doch bitte seinen Hut aufsetzen, als er bereits den Strick um den Hals gelegt bekam.

Jim Miller- hanging : page 1
Jim Miller- hanging : page 1 19 Apr 1909, Mon Abilene Semi-Weekly Farm Reporter (Abilene, Texas) Newspapers.com

Mittwoch, 15. Mai 2024

Belle Starr: "Ich habe eine beträchtliche Ignoranz zu ertragen"

Belle Starr, geboren Myra Maybelle Shirley, stammte aus einer wohlhabenden Familie aus Missouri, wurde an einer Schule für feine Damen in Fremdsprachen und Etikette unterrichtet, ehe die Shirleys durch den Bürgerkrieg ihr Vermögen verloren und in Texas einen Neuanfang wagen sollten. Über ihren im Bürgerkrieg gefallenen Bruder, der mit den berüchtigten Quantrill's Raiders unter konföderierter Fahne ritt, lernte sie Jesse James und Cole Younger kennen - und sollte fortan viel Zeit im Umfeld weiterer berühmt-berüchtigter Outlaws verbringen. (Wir haben ihr Leben in der Podcast-Folge zu Belle Starr näher behandelt).

Schon während Ihrer Ehe mit Jim Reed, einem Weggefährten der Cole-Younger-Gang, wurden Ihr Verbrechen (oder wenigstens die Mitwissenschaft darüber) vorgeworfen. Nach dem Tod ihres ersten Ehemannes zog Sie ins Indianerterritorium, genau genommen in die Cherokee Nation, und heiratete mit Sam Starr einen weiteren steckbrieflich gesuchten Outlaw. Es mag wenig überraschen, dass Ihre freundschaftliche Nähe zu einigen der berüchtigtsten Outlaws dieser Zeit und Ihre Entscheidung, einen Cherokee zu heiraten, unter der weißen Bevölkerung des Oklahoma Territories mit Argwohn wahrgenommen wurde - was nur noch mehr zu ihrem Ruf beitragen sollte, eine "Banditenkönigin ("Queen of the Outlaws" zu sein).

Aber wie stand belle Starr selbst zu diesem Ruf? Etwa zwei Wochen nach ihrer bis heute ungeklärten Ermordung druckte der Talequah Arrow, eine in den Cherokee Nations erschienene Zeitung, einen Abriss über Ihr Leben ab, den sie mutmaßlich selbst verfasst hatte. Der Text zeichnet ein Bild von einer sehr gebildeten Frau, die von der sogenannten Zivilisation der anderen Amerikaner enttäuscht und verbittert war, eine Frau, die ihre eigenen Entscheidungen traf und sich wenig um die Meinung anderer "zivilisierter" Männer und Frauen scherte. In ihm bezeichnet Sie Jesse James als guten Freund, distanziert sich von der "Gesellschaft anderer Frauen (die ich durch und durch verabscheue)" und beklagt die Ignoranz einer "niederen Schicht schäbiger Weißer, die das Indianerterritorium zu ihrem Zufluchtsort gemacht haben, um keine Steuern für ihre Hunde zu zahlen." Es ist das Testament einer Frau, die mit der Gesellschaft ihrer Zeit abrechnet und beschlossen hat, ihren eigenen Weg zu gehen und bewusst kein Teil dieser Gesellschaft zu sein - was sie auf Ewigkeit als eine "Outlaw Queen" zeichnen sollte.

Belle Starr about herself - part 1Belle Starr about herself - part 1 21 Feb 1889, Thu The Tahlequah Arrow (Tahlequah, Oklahoma) Newspapers.com

Belle Starr about herself - part 2Belle Starr about herself - part 2 21 Feb 1889, Thu The Tahlequah Arrow (Tahlequah, Oklahoma) Newspapers.com

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Flora Mundis alias Tom King (Teil 2) – Wie sich Legenden bilden

"Desperado Tom King erschießt einen ihrer Verfolger" – mit dieser markigen Überschrift macht der Guthrie Daily Leader am 17.12.189...