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Dienstag, 25. März 2025

Juli 1878: Krieg in Lincoln County

Vom 14. bis 19. Juli tobte in den Straßen von Lincoln, New Mexico, ein Feuergefecht zwischen Alexander McSween und den ihn begleitenden "Lincoln County Regulators" und einer Posse von Lincoln County Sheriff George Peppin, der auch James Dolan und Jesse Evans angehörten - Männern, die nur wenige Monate zuvor vor Gericht angeklagt worden waren, den Rancher John Tunstall ermordet zu haben....

Diesem Fünftägigen Gefecht, dass auch als die "Schlacht von Lincoln" bekannt werden sollte, bei der sich zwischen 80 und 100 Menschen ein Feuergefecht lieferten und in das letztlich sogar die Kavallerie involviert wurde, waren in den Wochen zuvor bereits mehrere Schießereien zwischen den beiden Parteien vorausgegangen. Die Regulatoren jagten die Mörder Tunstalls und deren Hintermänner, die wiederum den Gouverneur New Mexicos und den Sheriff auf ihrer Seite wussten und mit deren Hilfe Jagd auf die Regulatoren und Alexander McSween machten. Zeitungen wie der Weekly New Mexican (Santa Fe, New Mexico) fanden eindeutige Worte für diese Situation: Noch während die Auseinanderesetzung tobte war ganz klar von einem "Lincoln County War" die Rede.

27 Jul 1878, Sat Weekly New Mexican (Santa Fe, New Mexico) Newspapers.com

Montag, 17. März 2025

April 1878 - William Brady, George Hindman, Dick Brewer und Andrew "Buckshot" Roberts bei Schießereien getötet

 Im April 1878 tobte die Gewalt in Lincoln County. am 1. April ermordeten die Regulators Lincoln County Sheriff William Brady - der gemeinhin als Handlanger von "The House" galt - aus dem Hinterhalt auf offener Straße. Ebenfalls bei diesem Attentat getötet wurde George Hindman, einer seiner Deputies, von dem zu diesem Zeitpunkt vermutet worden war, dass auch er in die Ermordung von John Tunstall verstrickt gewesen sein könnte.

Manche in Lincoln County betrachteten William Brady als korrupten Handlanger von "The House" - andere sahen ihn als den einzigen Gesetzeshüter, der imstande war, die volatile Lage in Lincoln County in den Griff zu bekommen. Was man auch von ihm historisch halten mag (die hier zitierte Las Vegas Gazette bezeichnet ihn im Nachruf als "ehrlichen Mann", von dem sie bezweifeln, dass er etwas mit dem Tod Tunstalls zu tun hatte) - mit der Ermordung des Sheriffs bricht in Lincoln County die öffentliche Ordnung endgültig auseinander.

Wenige Tage später stirbt der Anführer der Lincoln County Regulators, Dick Brewer, bei einer Schießerei, als die Vigilanten versuchten, "Buckshot Roberts" zu verhaften - ein Mann, der angeblich Teil der Posse war, die John Tunstall ermordet hatten. Der folgende Artikel schildert die beiden Schießereien und die Hintergründe des Lincoln County Wars, und ruft zu einem Ende der Gewalt auf. Tatsächlich sollte der Gipfel der Gewalttätigkeiten im nun tobenden Lincoln County War noch lange nicht erreicht sein...

Killing of William Brady, Dick Brewer and Buckshot RobertsKilling of William Brady, Dick Brewer and Buckshot Roberts 13 Apr 1878, Sat Las Vegas Gazette (Las Vegas, New Mexico) Newspapers.com

Montag, 3. März 2025

März 1878 - Jesse Evans, James Dolan und andere wegen des Mordes an John H. Tunstall angeklagt

 Als der Rancher John H. Tunstall am 18. Februar 1878 ermordet wurde, ging der bereits schwelende Konflikt im Lincoln County War zwischen James Dolan's "The House" einerseits und der losen Allianz zwischen John Chisum und dem Anwalt Alexander McSween andererseits in einen offenen Krieg über. Bis dahin hatte "The House" die Oberhand: Unterstützt vom korrupten Santa Fe Ring, dem eine Reihe von Richtern, Staatsanwälten und Politikern anhingen, hatten Dolan und Konsorten massiven Druck auf Tunstall und McSween ausüben können. 


Doch nach Tunstalls Tod schwang das Pendel in die andere Richtung: Mit einer Reihe geschickter juristischer Winkelzüge gelang es Alexander McSween, James Dolan, den Viehdieb Jesse Evans und eine Reihe anderer Männer von einer Jury wegen Mordes an Tunstall anklagen zu lassen - auch wenn es für die Tat selbst keine verlässlichen Augenzeugen gab. Dennoch gab es zunächst ein reges Hin und Her:McSween hatte nur wenige Tage nach Tunstall's Tod einen Friedensrichter dazu gebracht, Haftbefehle auszustellen. Auf Basis dieser Haftbefehle wurde Dick Brewer, Tunstall's einstiger Vormann, zu einem Sonder-Constable berufen, der daraufhin Billy the Kid und einige Weitere Revolverhelden anheuerte, um diese Haftbefehle zu vollstrecken - die Lincoln County Regulators waren geboren.

Diese Haftbefehle waren zunächst nicht lange von Dauer: Beeinflusst durch "The House" annullierte der Gouverneur von New Mexico, Sam Axtell, diese Haftbefehle wieder, wodurch die Regulatoren von Gesetzeshütern zu Verbrechern wurden. Doch nur wenige Wochen später wurde dies erneut rückgängig gemacht: Ein in Lincoln einberufenes Geschworenengericht bekräftigte die vom Friedensrichter ermittelte Todesursache, und klagte Dolan, Evans und Konsorten erneut wegen des Mordes an. Der folgende Artikel aus der Las Vegas Gazette druckte am 23.März1878 den Beschluss der einberufenen Jury ab:

Lincoln County 23 March 1878 LV Gazette- Tunstall Murder inquiryLincoln County 23 March 1878 LV Gazette- Tunstall Murder inquiry 23 Mar 1878, Sat Las Vegas Gazette (Las Vegas, New Mexico) Newspapers.com

Die Haftbefehle waren also wieder gültig - und das Tauziehen im Lincoln County schritt weiter fort.

Mittwoch, 17. April 2024

"Statistisches über Texas"

 Denkt man an den "Cowboy-Staat" Texas, denkt man zuallererst an riesige Rinderherden, an Viehtrecks, die Open Range, und an wilde Pferde. Das alleine sagt aber wenig darüber aus, wie die Wirtschaft im "Wildwest"-Texas wirklich aufgestellt war. Wieviele Rinder gab es denn genau in Texas, wie viele Pferde wurden gezüchtet, und mit welchen texanischen Waren wurde sonst so gehandelt?

Darum freut es mich immer, beim Durchstöbern alter Zeitungen aus der Wild-West-Ära auf Artikel wie diesen zu stoßen Die deutschsprachige "Freie Presse für Texas" aus San Antonio veröffentlichte am 21. April 1881 unter dem Titel "Statistisches über Texas" Auszüge aus einer Broschüre, die "Der Präsident der südwestlichen Einwanderungscompagnie von Texas, Wm. W. Lang", zusammengestellt hatte. In ihr hatte Mr. Lang diverse Zahlen, Fakten und Daten über die texanische Wirtschaft zusammengestellt, darunter unter anderem auch diese Liste für das Jahr 1878:


Quelle: Texas Digital Newspaper Program in The Portal to Texas History. University of North Texas Libraries. accessed April 17, 2024

Demnach war auch 1878 noch Baumwolle das wertvollste Exportgut; "die ganze Welt consumiert  [sic]ungefähr 12.000.000 Ballen Baumwolle jährlich," schreibt die Freie Presse. "Diese gesamte Summe könnte auf 19.000 Quadratmeilen in Texas gezogen werden. Das Areal von Texas beträgt 274.356 Quadratmeilen". Worüber sich der Beitrag ausschweigt (wohl um potentielle Einwanderer nicht zu verschrecken) ist, wie viel von dem Areal auch für den Anbau von Baumwolle geeignet ist. Baumwollplantagen waren in der Tat ein wichtiger Teil der texanischen Wirtschaft, doch fast nur die nördlichen Regionen des Staates eigneten sich auch dafür.

Natürlich dürfen die Rinder und Pferde nicht unerwähnt bleiben: Demnach befänden sich in TExas zu der Zeit geschätzt 4.464.000 Rinder in einem Wert von 39.640.320$ in Texas. Pferde sind in den Exportstatistiken eher gering, was laut Zeitung daran läge, dass "Die guten Pferde [...] in Texas selbst verbraucht [werden].". Mit 963.000 Tieren in Texas gäbe es nur einen Staat der Union, der diese Zahl noch überbietet: Illinois! Das mag im ersten Moment überraschen, aber Illinois galt als das Herz der amerikanischen Rennpferdezucht, der Staat benötigte für seine zu diesem Zeitpunkt sehr fortgeschrittene Industrialisierung zahlreiche Arbeitspferde für Transporte und dergleichen, und zu diesem Zeitpunkt mit Oaklawn Farm die größte Pferdezucht der Welt in Illinois.

Doch eine andere Tierart sollte Pferde und auch Rinder 1878/79 in Texas weit übertreffen: Schafe!

Quelle: Texas Digital Newspaper Program in The Portal to Texas History. University of North Texas Libraries. accessed April 17, 2024

Ja, Schafe! Waren 1860 noch weniger als 800.000 Schafe in Texas gezogen worden, schwoll deren Zahl bis zum Jahr 1879 auf 5.148.700 Tiere an! "Jetzt ist Texas der zweit[größt]e Wollzüchterstaat der Union", schreibt die Freie Presse; nur in Kalifornien (7.646.800) gäbe es zu diesem Zeitpunkt noch mehr Schafe. Um 1880 herum hatte sich der große Rinderboom merklich abgekühlt, und Texas bekam das als einer der ersten Staaten deutlich zu spüren. Schafe waren im Vergleich zu Rindern leichter auf engerem Raum zu halten, warfen mit Wolle ein Ertragsprodukt ab ohne sie schlachten zu müssen und vermehrten sich schneller; während gerade in den späten Jahren des Rinderbooms nur noch reiche, große Rancher sich einträgliche, riesige Herden leisten konnten, war es für weniger gut betuchte Siedler (und auch einige umsattelnde Viehzüchter) einfacher, auf Schafzucht zu setzen. Das ging nicht immer reibungslos vonstatten und sollte in den kommenden Jahren in den sogenannten "Sheep Wars" gipfeln; dazu erzählen wir aber ein anderes Mal mehr.

Flora Mundis alias Tom King (Teil 2) – Wie sich Legenden bilden

"Desperado Tom King erschießt einen ihrer Verfolger" – mit dieser markigen Überschrift macht der Guthrie Daily Leader am 17.12.189...