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Mittwoch, 4. Dezember 2024

ca. 1885: "Die Fahrrad-Fresse"

 Eine Szene die mich als junger Western-Fan immer ein wenige verwundert hatte stammt aus einem der erfolgreichsten Western-Filme aller Zeiten: In "Butch Cassidy and The Sundance Kid" macht der von Robert Redford verkörperte notorische Bandit Butch Cassidy einen Ausritt mit seiner Geliebten - allerdings nicht, im Cowboy-Stil üblich, zu Pferd, sondern auf einem Fahrrad.

An den Ostküstenstaaten, aber auch in den größeren Western-Städten wie Cheyenne in Wyoming oder Denver in Colorado, wo Straßen zunehmend gepflastert waren, hielt ab den 1880er Jahren das Jahrrad in größerem Stil Einzug: Cowboys zu Pferd waren ebenso anzutreffen wie Männer, die mit dem Fahrrad unterwegs waren.

Diese neue Entwicklung wurde nicht überall positiv aufgenommen. Tatsächlich gab es auch Mediziner, die vor dem umgreifenden "Fahrrad-Wahn" auf eigenwillige Art warnten, wie dieser Beitrag aus dem Saint Paul Globe aus dem Jahr 1885 zeigt, spricht er doch von einem möglicherweise permanent bleibendem Schaden: Dem "Fahrrad-Gesicht" oder, um der Tonalität des Beitrags gerecht zu werden, vielleicht eher auch der "Fahrrad-Fresse":


Quelle: Library of Congress - Chronicling America

"Falls Sie einen Mann sehen, der einen gewohnheitsmäßig erschrockenen Ausdruck im Gesicht und einen wilden, erwartenden Blick in den Augen hat," sagt ein prominenter Arzt, "dann besteht eine Chance von 10 zu 1, dass er an einem "Fahrrad-Gesicht" leidet. Das ist eine neue Krankheit, und man sagt dass diese von der Aufmerksamkeit entsteht, die ein Radler seinem Gerät widmet, um gefährliche Hindernisse zu vermeiden. Ein jedes Alter und beide Geschlechter sind von diesem schmerzlichen Leiden betroffen. Sollte die Vererbungslehre greifen und der Fahrrad-Wahn weiter wachsen, dürfte das Land dem schrecklichen Gedanken einer Generation an Männern und Frauen mit weit aufgerissenen Augen entgegenblicken".


Freitag, 5. Juli 2024

Iowa: "Dinosaurier mit Kanone erlegt!"

 Ostküsten-Zeitungen liebten es, über den Wilden Westen zu berichten. Nicht nur wegen der Schießereien und Überfälle, sondern auch wegen der Naturwunder und den ungewöhnlichen Tierarten, die an der Frontier zu finden waren und die an der Ostküste wie auch in der "alten Welt" weitgehend unbekannt waren. Einige erfindungsreiche Schreiberlinge, wie beispielsweise John Maher aus Chabron in Nebraska, nutzten diesen Umstand aus, um Zeitungen in großen Städten wie New York, Boston oder Chicago frei erfundene Geschichten über angeblich reale, abenteuerliche Entdeckungen in den Cowboy-Staaten zu verkaufen.

Im 19. Jahrhundert blühte die zu jener Zeit neue Wissenschaft der Paläontologie auf, und westliche Staaten wie Nebraska oder Wyoming wurden wegen ihrer reichhaltigen Funde an vollständigen Dinosaurier-Skeletten weithin berühmt. Das regte natürlich die Fantasie so mancher Groschenroman-Autoren und Zeitungsleser an der Ostküste an: Was, wenn es irgendwo in den schier unendlichen Weiten der amerikanischen Territorien nicht noch irgendwo ein Tal gäbe, in dem heute noch Dinosaurier lebten! Diese Fantasie hat sich bis in moderne Zeiten erhalten, wie Filme oder Serien wie "Gwangi's Rache" (1969), "Im Land der Saurier" (1991) oder Cowboys vs. Dinosaurs (2015) bezeugen. Aber was, wenn solche Geschichten Wirklichkeit wären?

Solchen oder ähnlichen Quellen muss der folgende Zeitungsartikel entsprungen sein, der am 23. November 1885 in "The Buffalo Times" (Buffalo, New York) abgedruckt wurde und der angeblich aus dem "Newton Herald" in Iowa übernommen wurde. Demnach wurde in der Nähe von Oskaloosa, Mahaska County (Iowa) ein gigantisches, "von Schwanzspitze bis zur Nase 81 Fuß (knapp 25 Meter) langes" reptilartiges Wesen, ein Exemplar einer "Spezies an gigantischen Echsen, die bereits seit vielen Tausend Jahren ausgestorben ist" erlegt, dass die Gegend terrorisiert hatte. Nach langer Jagd konnte die Kreatur schließlich nur mit einer "12-Pfund Kanone, geladen mit Schienennägeln" zur Strecke gebracht werden.

Dinosaur Killed by Cannon - Yarn
Dinosaur Killed by Cannon - Yarn 23 Jan 1885, Fri The Buffalo Times (Buffalo, New York) Newspapers.com

"Ein monströses Tier wurde kürzlich in diesem Staat in der Nähe von Oskaloosa erlegt. Es maß von der Schwanzspitze bis zur Nase 81 Fuß. Sein Herz wog 80 Pfund und hatte vier Kammern. Nachdem es lange Zeit gejagt wurde, wurde es schließlich mit einer 12-Pfund-Kanone, die mit Eisenbahnnägeln geladen war, getötet. 12 starke Ochsen waren nötig, um das Monster nach seinem Tod ans Flußufer zu ziehen.

Es wurde gehäutet und ein Tierpräperator stopft es derzeit aus, danach wird es an die Academy of Natural Sciences in Philadelphia geschickt werden. Sein Fleisch wird vorsichtig von den Knochen gelöst, und das Skelett wird ordentlich mit Drähten zusammengehalten und fürs Erste in Oskaloosa verbleiben. Dr. Peck aus Davenport bezeichnet es als den "Riesen von Cardiff" und sagt es gehöre einer Spezies an gigantischen Echsen an, die bereits seit vielen Tausend Jahren ausgestorben sen soll.

Das Monster hatte Mastschweine, die zwischen 300 und 400 Pfund wogen, mit einem Happen verschlungen. Tausende von Menschen hatten das Monster gejagt, aber es hatte allem widerstanden bis die Kanone es zur Strecke brachte."

Flora Mundis alias Tom King (Teil 2) – Wie sich Legenden bilden

"Desperado Tom King erschießt einen ihrer Verfolger" – mit dieser markigen Überschrift macht der Guthrie Daily Leader am 17.12.189...