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Montag, 23. Dezember 2024

18.12.1875: John Chisum, der "Rinderkönig von New Mexico"

 Einer der beiden unbestrittenen "Könige" des Lincoln County der 1870er Jahre - bevor der Lincoln County War ausbrechen sollte, aber auch in den Jahren während und nach des "Krieges" - war der Rinderzüchter John Chisum. Er hatte noch in den Jahren des Bürgerkriegs seine Rinder von Texas in das benachbarte, nicht unmittelbar in den Sezessionskrieg involvierte New Mexico getrieben und sich somit bereits frühzeitig als Rinderbaron in der Gegend etabliert. Als nach dem Bürgerkrieg mit den großen Viehtrieben die Rinderzucht eine nie dagewesene Blüte erlebte, war Chisum bereits fest in der Region etabliert - und eine der tonangebenden Mächte der Region.

Der ihm nachgesagte Einfluss und Reichtum war bald auch weit über die Grenzen New Mexicos bekannt. So zeichneten etwa Zeitungen in Kalifornien - wie etwa hier der Ventura Signal vom 18. Dezember 1875 - ausführliche Profile über den Mann, der mehr als 90.000 Rinder sein Eigen nannte und den sie als den "Rinderkönig von New Mexico" bezeichnete.

Quelle: CDNC - California Digital Newspaper Collection

Berichte wie diese erweckten in Staaten wie Kalifornien den Eindruck, dass das New Mexico Territory ideal geeignet wäre, um als Rinderzüchter schnell an Reichtum und Einfluss zu gewinnen. Es waren wohl Artikel wie dieser, die in einem jungen Briten namens John H. Tunstall den Wunsch wecken sollten, sein Glück als Rinderzüchter in New Mexico zu suchen... und so den Stein ins Rollen brachten, der einige Monate später den Lincoln County War auslösen sollte...

Montag, 25. November 2024

30. März 1866: "Lieferung von 6000 Rindern für die gefangenen Indianer" benötigt

 Die Unterbringung von fast 10.000 Navajo (und zusätzlich 500 Apachen) auf dem Gebiet des Bosque Redondo Reservats nahe Fort Sumner, New Mexico, war ein logistischer Alptraum. Was als ein Geländer zur Selbstversorgung der Natives mit Landwirtschaft angedacht war, war effektive ein Gefangenenlager auf wüstenartigem, für Ackerbau ungeeignetem Gelände. Es fehlte an Material und an Lebensmitteln, um die ab 1863 dort untergebrachten Indigenen zu versorgen. Aus New Mexico heraus konnte der Bedarf ebenfalls nicht gedeckt werden. Ab 1866 schrieb die US-Armee daher landesweit in Zeitungen Aufrufe aus, um Fort Sumner mit bis zu 6000 Rindern zur Versorgung der dort internierten Indianer zu versorgen. Charles Goodnight wurde auf einen dieser Aufrufe aufmerksam und beschloss, 2000 Rinder über eine Strecke von mehr als 600 Meilen von Belknap in Texas nach Fort Sumner in New Mexico zu treiben. Der große texanische Cattle Drive war geboren.

Welche Zeitung es genau war, die Charles Goodnight zu Gesicht bekam und die ihm auf die Idee des Viehtrails brachte ist mir nicht bekannt. Beispiele gab es genug; in der Episode zitierten wir aus einem Blatt in Kansas, aber auch in Zeitungen aus Pennsylvania, Massachusetts oder natürlich konnten wir entsprechende Inserate finden.


Quelle: Chronicling America - Library of Congress

Das hier gezeigte Inserat stammt aus "The evening telegraph" auf Pittsburgh (Pennsylvania). Der Artikel gibt genaue Vorgaben für Bewerber auf eine Ausschreibung "für die Lieferung von 6000  Rindern auf der Hufe für den Gebrauch für die gefangenen Indianer bei Fort Sumner, New Mexico" (Interessanterweise wird hier kein Hehl daraus gemacht, dass das Bosque Redondo Reservat nichts anderes als ein Internierungscamp war). Die Lieferungen sollen am 1. Juli 1866 erfolgen und aus 500 Kopf Rind bestehen, mit Folgelieferungen auf Absprache. Das Rind muss "zwischen drei und fünf Jahre alt sein, mindestens 400 Pfund wiegen [...] und von bester vermarktbarer Qualität [sein]". Jedes Gebot muss zudem von zwei verantwortlichen Personen gezeichnet werden.

Goodnight holte sich Oliver Loving als Partner und trieb mit ihm zusammen 2000 Rinder nach Fort Sumner (gut möglich, dass die Kopfzahl an Rind für Ausschreibungen später erhöht wurde, oder dass er sich eine gute Abnahme erhoffte, wenn er mit zusätzlichen Rindern direkt auftauchte). Am Ende konnte er davon 1200 Tiere verkaufen; während Goddnight nach Texas zurückkehrte und bereits den nächsten Treck vorbereitete, zog Oliver Loving weiter bis nach Colorado, um dort die restlichen Rinder zu verkaufen. Nach den beiden Pionieren des Cattle Drives wurde der Goodnight-Loving-Trail benannt - und die große Wildwest-Tradition der Vieh-Trecks war geboren.


Mittwoch, 17. April 2024

"Statistisches über Texas"

 Denkt man an den "Cowboy-Staat" Texas, denkt man zuallererst an riesige Rinderherden, an Viehtrecks, die Open Range, und an wilde Pferde. Das alleine sagt aber wenig darüber aus, wie die Wirtschaft im "Wildwest"-Texas wirklich aufgestellt war. Wieviele Rinder gab es denn genau in Texas, wie viele Pferde wurden gezüchtet, und mit welchen texanischen Waren wurde sonst so gehandelt?

Darum freut es mich immer, beim Durchstöbern alter Zeitungen aus der Wild-West-Ära auf Artikel wie diesen zu stoßen Die deutschsprachige "Freie Presse für Texas" aus San Antonio veröffentlichte am 21. April 1881 unter dem Titel "Statistisches über Texas" Auszüge aus einer Broschüre, die "Der Präsident der südwestlichen Einwanderungscompagnie von Texas, Wm. W. Lang", zusammengestellt hatte. In ihr hatte Mr. Lang diverse Zahlen, Fakten und Daten über die texanische Wirtschaft zusammengestellt, darunter unter anderem auch diese Liste für das Jahr 1878:


Quelle: Texas Digital Newspaper Program in The Portal to Texas History. University of North Texas Libraries. accessed April 17, 2024

Demnach war auch 1878 noch Baumwolle das wertvollste Exportgut; "die ganze Welt consumiert  [sic]ungefähr 12.000.000 Ballen Baumwolle jährlich," schreibt die Freie Presse. "Diese gesamte Summe könnte auf 19.000 Quadratmeilen in Texas gezogen werden. Das Areal von Texas beträgt 274.356 Quadratmeilen". Worüber sich der Beitrag ausschweigt (wohl um potentielle Einwanderer nicht zu verschrecken) ist, wie viel von dem Areal auch für den Anbau von Baumwolle geeignet ist. Baumwollplantagen waren in der Tat ein wichtiger Teil der texanischen Wirtschaft, doch fast nur die nördlichen Regionen des Staates eigneten sich auch dafür.

Natürlich dürfen die Rinder und Pferde nicht unerwähnt bleiben: Demnach befänden sich in TExas zu der Zeit geschätzt 4.464.000 Rinder in einem Wert von 39.640.320$ in Texas. Pferde sind in den Exportstatistiken eher gering, was laut Zeitung daran läge, dass "Die guten Pferde [...] in Texas selbst verbraucht [werden].". Mit 963.000 Tieren in Texas gäbe es nur einen Staat der Union, der diese Zahl noch überbietet: Illinois! Das mag im ersten Moment überraschen, aber Illinois galt als das Herz der amerikanischen Rennpferdezucht, der Staat benötigte für seine zu diesem Zeitpunkt sehr fortgeschrittene Industrialisierung zahlreiche Arbeitspferde für Transporte und dergleichen, und zu diesem Zeitpunkt mit Oaklawn Farm die größte Pferdezucht der Welt in Illinois.

Doch eine andere Tierart sollte Pferde und auch Rinder 1878/79 in Texas weit übertreffen: Schafe!

Quelle: Texas Digital Newspaper Program in The Portal to Texas History. University of North Texas Libraries. accessed April 17, 2024

Ja, Schafe! Waren 1860 noch weniger als 800.000 Schafe in Texas gezogen worden, schwoll deren Zahl bis zum Jahr 1879 auf 5.148.700 Tiere an! "Jetzt ist Texas der zweit[größt]e Wollzüchterstaat der Union", schreibt die Freie Presse; nur in Kalifornien (7.646.800) gäbe es zu diesem Zeitpunkt noch mehr Schafe. Um 1880 herum hatte sich der große Rinderboom merklich abgekühlt, und Texas bekam das als einer der ersten Staaten deutlich zu spüren. Schafe waren im Vergleich zu Rindern leichter auf engerem Raum zu halten, warfen mit Wolle ein Ertragsprodukt ab ohne sie schlachten zu müssen und vermehrten sich schneller; während gerade in den späten Jahren des Rinderbooms nur noch reiche, große Rancher sich einträgliche, riesige Herden leisten konnten, war es für weniger gut betuchte Siedler (und auch einige umsattelnde Viehzüchter) einfacher, auf Schafzucht zu setzen. Das ging nicht immer reibungslos vonstatten und sollte in den kommenden Jahren in den sogenannten "Sheep Wars" gipfeln; dazu erzählen wir aber ein anderes Mal mehr.

Flora Mundis alias Tom King (Teil 2) – Wie sich Legenden bilden

"Desperado Tom King erschießt einen ihrer Verfolger" – mit dieser markigen Überschrift macht der Guthrie Daily Leader am 17.12.189...