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Montag, 10. Februar 2025

12.August 1881: Billy the Kid - "Sein wahrer Name war McCarthy"

 Bei allen fantastischen Lügengeschichten, die über das Leben und die Eskapaden von Billy the Kid berichtet wurden: es ist doch davon auszugehen, dass es zu Lebzeiten von "William Bonney" auch im Lincoln County einige Leute gab, die über die wahre Herkunft von "The Kid" Bescheid wussten - oder besser Bescheid wussten als die Sensationsgier verschiedener Zeitungen, die alle für sich beanspruchen wollten, die wahre Herkunft des berüchtigten Outlaws ausgemacht zu haben.

Inmitten dieser zahlreichen Falschmeldungen geht die Wahrheit leicht verloren. Es findet sich aber hin und wieder auch in zeitgenössischen Quellen auch ein Beitrag, der sich entschieden gegen die Sensationslust stellt - und der tatsächlich ein paar belegbare Fakten liefert, anhand derer sich die Herkunft von Billy The Kid - oder eine mögliche Identität - besser herausfinden lässt. Ein solcher Beitrag im Lancaster daily intelligencer (Pennsylvania, 12. August 1881, wohl zuerst abgedruckt im St. Louis Globe-Democrat, Missouri), der als Leserzuschrift wohl in direkter Reaktion auf die Sensationsmeldung in der Philadelphia Times vom 19, Juli 1881 entstanden ist, liefert einiger solche Fakten: Dass sein richtiger Familienname "MacCarthy" gewesen sei; dass er in New York geboren wurde; dass seine Mutter einen "Mann namens Antum" geheiratet habe und sich in Silver City, New Mexico, mit diesem niederließ, und dass dort noch ein Bruder von ihm lebe; dass er dort erstmals mit 15 Jahren wegen Ladendiebstahls verhaftet wurde; und dass er erstmals im Alter von "16 oder 17 Jahren" einen Mann in Arizona tötete. 

Quelle: Chronicling America - Library of Congress

Die meisten Historiker gehen davon aus, dass das hier gezeichnete Bild des jungen "Billy The Kid" der Wahrheit entspricht. Einzig der Vorname war nicht korrekt: Der Junge, von dem hier die Rede ist, hieß nicht "Billy" sondern Henry McCarthy, aber sein Stiefvater hieß William Antrim - und dessen Namen hatte Henry McCarthy angenommen, als er im Alter von 17 Jahren bei Fort Grant einen 32-jährigen Iren namens Frank Cahill im Streit erschoss...

Montag, 20. Januar 2025

3. August 1881 - "Die Geschichte eines Outlaws": Wilde Fantastereien über den Gesetzlosen "Billy the Kid"

 Der Lincoln County War und die Eskapaden von Billy the Kid fielen in eine Zeit, in der Groschenromane über den Wilden Westen, aber aus Sensationsjournalismus in einem vorher noch nie dagewesenem Maß produziert wurden. Die Brutalität des "Cowboy-Kriegs" in New Mexico und die draufgängerische, dramatische Art und Weise, mit der Billy the Kid aus gefährlichen Schießereien und dem Zugriff seiner Häscher ein ums andere Mal entkam, beflügelte die Neugier und Sensationslust von Zeitungslesern im gesamten Land. Bald schon war der gerade einmal 21-jährige Billy der berühmteste und berüchtigste Outlaw der gesamten Vereinigten Staaten.

Und je wilder diese Geschichten wurden, um so mehr entfernten sich die Berichte darüber von der Realität. Noch zu Lebzeiten nahmen die Geschichten über den "Bandenführer" Billy the Kid immer fantastischere Züge an - und nach seinem Tod lieferten sich Zeitungen geradezu ein Wettrennen mit neuen "Enthüllungen" über das Leben des "Banditenkönigs". Diese - meist frei erfundenen - Geschichten sorgen dafür, dass es heute umso schwerer ist, genaue, belegbare Informationen über das Leben des jungen Mannes zu erfahren, der er war, bevor ein junger Mann namens "William H. Bonney" im Herbst 1877 in Lincoln County, New Mexico, auftauchte und sich dort bald als "Billy, the Kid" einen Namen machen sollte.

Ein besonders herrliches Beispiel einer solchen "Enthüllungsstory" über die "Geschichte eines Outlaws" - an der so ziemlich gar nichts stimmt - konnte ich im Clearfield Republican (Clearfield, Pennsylvania) vom 3. August 1881 finden. Der Bericht wurde wohl aus der Philadelphia Times vom 19. Juli 1881 übernommen und entstand damit gerade einmal wenige Tage nach Billy's Tod am 14. Juli 1881. Der Artikel liefert einige Wilde Beschreibungen zu The Kid. Zu meinen persönlichen Highlights zählen ein regelrechtes Kastell ("Castle"), dass Billy und seine Gang in der Wüste von New Mexico bewohnen sollte; dass diese "Festung" ("stronghold") groß und stark genug sei, um über 200 Rinder in ihrem Inneren zu beherbergen und einem Ansturm von Texas Rangern standhalten konnte;  dass der "boy demon" bei seinen Eskapaden einen mit Gold und Juwelen besetzten Hut aus Biberfell tragen sollte, der allein 300$ gekostet haben mag; und dass er in Irland geboren wurde um mit 16 Jahren in Texas erstmals getötet haben soll, nachdem er den Sohn eines reichen Mannes im Handgemenge tötete, nachdem sich dieser abfällig über Billy's Vater geäußert haben soll. 

Nichts davon entspricht der Wahrheit, aber es ist ein spannendes, von erfundenen Zitaten und wilden Eskapaden geprägtes Lesestück!



Quelle: Chronicling America - Library of Congress

Montag, 25. November 2024

30. März 1866: "Lieferung von 6000 Rindern für die gefangenen Indianer" benötigt

 Die Unterbringung von fast 10.000 Navajo (und zusätzlich 500 Apachen) auf dem Gebiet des Bosque Redondo Reservats nahe Fort Sumner, New Mexico, war ein logistischer Alptraum. Was als ein Geländer zur Selbstversorgung der Natives mit Landwirtschaft angedacht war, war effektive ein Gefangenenlager auf wüstenartigem, für Ackerbau ungeeignetem Gelände. Es fehlte an Material und an Lebensmitteln, um die ab 1863 dort untergebrachten Indigenen zu versorgen. Aus New Mexico heraus konnte der Bedarf ebenfalls nicht gedeckt werden. Ab 1866 schrieb die US-Armee daher landesweit in Zeitungen Aufrufe aus, um Fort Sumner mit bis zu 6000 Rindern zur Versorgung der dort internierten Indianer zu versorgen. Charles Goodnight wurde auf einen dieser Aufrufe aufmerksam und beschloss, 2000 Rinder über eine Strecke von mehr als 600 Meilen von Belknap in Texas nach Fort Sumner in New Mexico zu treiben. Der große texanische Cattle Drive war geboren.

Welche Zeitung es genau war, die Charles Goodnight zu Gesicht bekam und die ihm auf die Idee des Viehtrails brachte ist mir nicht bekannt. Beispiele gab es genug; in der Episode zitierten wir aus einem Blatt in Kansas, aber auch in Zeitungen aus Pennsylvania, Massachusetts oder natürlich konnten wir entsprechende Inserate finden.


Quelle: Chronicling America - Library of Congress

Das hier gezeigte Inserat stammt aus "The evening telegraph" auf Pittsburgh (Pennsylvania). Der Artikel gibt genaue Vorgaben für Bewerber auf eine Ausschreibung "für die Lieferung von 6000  Rindern auf der Hufe für den Gebrauch für die gefangenen Indianer bei Fort Sumner, New Mexico" (Interessanterweise wird hier kein Hehl daraus gemacht, dass das Bosque Redondo Reservat nichts anderes als ein Internierungscamp war). Die Lieferungen sollen am 1. Juli 1866 erfolgen und aus 500 Kopf Rind bestehen, mit Folgelieferungen auf Absprache. Das Rind muss "zwischen drei und fünf Jahre alt sein, mindestens 400 Pfund wiegen [...] und von bester vermarktbarer Qualität [sein]". Jedes Gebot muss zudem von zwei verantwortlichen Personen gezeichnet werden.

Goodnight holte sich Oliver Loving als Partner und trieb mit ihm zusammen 2000 Rinder nach Fort Sumner (gut möglich, dass die Kopfzahl an Rind für Ausschreibungen später erhöht wurde, oder dass er sich eine gute Abnahme erhoffte, wenn er mit zusätzlichen Rindern direkt auftauchte). Am Ende konnte er davon 1200 Tiere verkaufen; während Goddnight nach Texas zurückkehrte und bereits den nächsten Treck vorbereitete, zog Oliver Loving weiter bis nach Colorado, um dort die restlichen Rinder zu verkaufen. Nach den beiden Pionieren des Cattle Drives wurde der Goodnight-Loving-Trail benannt - und die große Wildwest-Tradition der Vieh-Trecks war geboren.


Flora Mundis alias Tom King (Teil 2) – Wie sich Legenden bilden

"Desperado Tom King erschießt einen ihrer Verfolger" – mit dieser markigen Überschrift macht der Guthrie Daily Leader am 17.12.189...