Dienstag, 11. Juni 2024

14. April 1881: Vier Tote in fünf Sekunden

Am 14. April 1881 ereignete sich in den Straßen der texanischen Boomtown El Paso, nahe der mexikanischen Grenze, eine der berühmtesten Schießereien des Staates Texas. Der Schießerei war ein Streit über in Mexiko gestohlene Rinder und die Ermordung zweier Mexikaner, die den Rinderdieben nachstellten, vorangegangen. Die getöteten Männer waren in der Nähe der Ranch eines gewissen John Hale gefunden worden.An der Schießerei beteiligt war Dallas Stoudenmire, der selbst erst drei Tage zuvor zum Marshal des rapide wachsenden Städtchens berufen worden war.

Die Schießerei wurde auch als der "Four Dead in Five Seconds Gunfight" bekannt und war, wie der Name andeutet, schnell vorüber und äußerst tödlich. John Hale und ein mit ihm befreundeter Rancher namens Georga Campbell - selbst ehemaliger Town Marshal von El Paso  - waren mit einem Deputy namens Gus Krempkau in Streit geraten. Krempkau hatte bei einer Anhörung hinsichtlich der getöteten Männer für die anwesenden Mexikaner spanisch übersetzt und dadurch in den Augen von Campbell und Hale zu sehr für die Mexikaner Partei ergriffen - stand doch implizit auch der Vorwurf im Raum, dass Angestellte Hale's in den vorausgegangenen Rinderdiebstahl und die Ermordung der zwei Mexikaner involviert gewesen sei. Während der Konfrontation zog ein stark angetrunkener Hale einen von Campbell's Revolvern und schoss - ob absichtlich oder unabsichtlich ist nicht geklärt - auf Krempkau, der tödlich getroffen zu Boden ging. Von dem Schuss aufgeschreckt sprang Dallas Stoudenmire, der eben auf der anderen Straßenseite zu Mittag gegessen hatte, auf, zog seine beiden Kaliber .44 Smith & Wesson Revolver und rannte aus beiden Waffen schießend auf die Straße. Nachdem die auch als “Battle of Keating’s Saloon" bekannte Schießerei nach nur wenigen Sekunden vorbei war, waren vier Männer tot oder lagen im Sterben: Krempkau, Hale, Campbell sowie ein weiterer unbeteiligter Mexikaner, der wohl von einer von Marshall Stoudenmire's Kugeln in den Rücken getroffen wurde als er versuchte wegzulaufen.

Die Nachricht über den Schusswechsel verbreitete sich in Windeseile und fand sich im Lauf der folgenden Woche in Zeitungen in den gesamten Vereinigten Staaten wieder, an Ost- und Westküste gleichermaßen. Am genauesten berichtete dabei noch die deutschsprachige "Freie Presse für Texas" über den Vorfall, die  sich in ihrem Bericht noch die Mühe machte, auch die Hintergründe der kurzlebigen und fatalen Schießerei aufzurollen:

Quelle: Texas Digital Newspaper Program in The Portal to Texas History. University of North Texas Libraries. accessed June 11, 2024

Die meisten Zeitungen, die landesweit von den Vorfall berichteten, druckten in weiten Teilen den selben wohl via Telegraphen verbreiteten Bericht ab, der allerdings bereits einige Fakten durcheinander brachte: Statt von einer Schießerei, die effektiv im Streit über zwei ermordete Mexikaner ausgebrochen ar, zu berichten heißt es hier nun, während der Schießerei seien zwei (nicht ein) Mexikaner getötet worden; und Deputy Krempkau, der von Hale und Campbell als "Mexikaner-Freund" beschimpft worden war, wurde posthum selbst zum Mexikaner gemacht.

Quelle: Chronicling America - Library of Congress

Interessant übrigens, wie in einem Fall von Flüsterpost der -falsche- Grundtenor des Artikels erhalten bleibt, aber die Zeitungen selbst den ungewöhnlichen Namen "Krempkau" stets in einer anderen Falschen Variante wiedergeben. Die Freie Presse für Texas hatte ihn noch richtig genannt, in diesem Beitrag wird er hingegen "Kremkan" genannt; in anderen Versionen wird aus dem Namen etwa ein "Kremkaw" (Daily Los Angeles Herald, Kalifornien)"Kreman" (Watertown Republican, Watertown, Wisconsin); oder gar "Kremalus" (Eureka Daily Sentinel, Nevada).

Dallas Stoudenmire sollte nach dieser Schießerei im gesamten Land bekannt werden, auch wenn die Zeitungen in den ersten Tagen nach dem Vorfall nur recht wenig über die Identität des "Town Marshals", der "ohne Erfolg versucht hatte "die Unruhe zu dämpfen" (tatsächlich saß er als der Vorfall begann auf der anderen Straßenseite im Saloon seines Schwagers beim Mittagessen). Drei Tage später sollte ein ehemaliger Deputy Marshal namens Bill Johnson, der von Stoudenmire am Tag seiner Amtseinführung gefeuert und gedemütigt worden war, ein erfolgloses Attentat auf Stoudenmire durchführen. Dies sollte den Ruhm von Dallas Stoudenmire über die Grenzen des Staates Texas hinaus bekannt machen. Unter anderem berichtet der "Deutsche Correspondent" aus Baltimore, Maryland, am 20. April 1881 über "Stadtmarshall Dallas Studemeyer"...

 
Quelle: Chronicling America - Library of Congress

...wenngleich auch hier die Details ein wenig durcheinander gerieten (Bill Johnson war nur ein ehemaliger Deputy Marshal gewesen; Stoudenmire hatte aber während des "Four Dead in Five Seconds Gunfight" seinen Amtsvorgänger George Campbell erschossen).

El Paso war übrigens in diesen Tagen als ein heißes Pflaster bekannt: Ein Städtchen nahe der mexikanischen Grenze, durch welches drei Eisenbahnlinien liefen. Speziell die zwei direkten Eisenbahnverbindungen zwischen den USA und Mexiko, die in diesem Ort Halt machten, und der gleichzeitig boomende Rindermarkt ließen El Paso in Windeseile wachsen: Anfang 1880 hatten noch gerade einmal zwischen 700 und 800 Einwohner in dem Örtchen gelebt, doch bis zum April 1881 sollte diese Zahl bereits auf etwa 6000 anschwellen! Das machte El Paso selbst innerhalb von Texas als einen besonders wilden und gesetzlosen Ort bekannt, der in diesen Tagen auch unter dem Spitznamen "Hell Paso" bekannt wurde. Der "Brenham Daily Banner" (Brenham, Texas) hielt am 19. April 1881 die folgende nette Beschreibung über El Paso bereit:

Quelle: Texas Digital Newspaper Program in The Portal to Texas History. University of North Texas Libraries. accessed June 11, 2024

"Man stelle sich die Straßen von San Angela vor, nur mit den Dächern allesamt flach, und etwa 1000 betrunkene Männer, Eisanbahnarbeiter, Glücksspieler und Abenteurer die durch die Straßen torkeln, streiten und johlen, und man hat eine ziemlich akkurate Vorstellung von El Paso wie es gerade ist. Dass dort eines Tages eine gute Stadt entstehen wird, oder wahrscheinlich eher ein Stückchen weiter flußabwärts, daran hege ich keine Zweifel."


Donnerstag, 6. Juni 2024

"Ein geflügeltes Monster, einem riesigem Alligator mit immensen Flügeln ähnelnd..."

 In unserer Podcast-Folge zu legendären Kreaturen des Wilden Westens erwähnten wir unter anderem den Thunderbird: Einem gigantischen Vogel, der in den Mythen zahlreicher verschiedener indigener Kulturen vorkommt und der - je nach Mythos - ein Bote von heilsamen Regen oder zerstörerischen Stürmen ist, ein Wächter der unmoralische Menschen bestraft oder ein adlerartiger Krieger im Kampf gegen böse Geister der Unterwelt ist. 

Auch wenn der Thunderbird eine legendäre oder gar mythologische Figur ist, gab es in der Frontier- oder Wildwest-Ära durchaus auch den einen oder anderen "Weißen" der schwor, eine solche Kreatur mit eigenen Augen gesehen zu haben... oder gar erlegt! Über ein eben solches Ereignis berichtete der Tombstone Epitaph (Tombstone, Arizona) am 26. April 1890: Zwei Rancher aus der Gegend hätten in der nahen Huachuca-Wüste ein riesiges, geflügeltes Monster entdeckt, dass - wohl nach einem langen Flug erschöpft - in der Wüste gelandet sei und - nach dem es die beiden Männer attackiert hatte - von ihnen mit ihren Winchester-Gewehren erlegt wurde. Die Kreatur - "Ein geflügeltes Monster, einem riesigen Alligator ähnelnd, mit einem verlängertem Schwanz und immensen Schwingen" (aber mit nur zwei Klauenartigen Füßen)  - sei 92 Fuß (28 Meter) lang gewesen, mit einem 8 Fuß (fast 2,5 Meter) langen Kopf und einem Maul voller starker, scharfer Zähne und einer Flügelspannweite von 160 Fuß (fast 49 Meter)! 

A Strange Winged Monster Discovered and Killed on the Huachuca DesertA Strange Winged Monster Discovered and Killed on the Huachuca Desert 26 Apr 1890, Sat Tombstone Weekly Epitaph (Tombstone, Arizona) Newspapers.com

Da die Kreatur zu groß war, als dass die beiden sie hätten transportieren können, schnitten sie zum Beweis etwas von einem der Flügel der Kreatur ab und ritten nach Tombstone um Männer zu finden, die mit ihnen das Wesen herbeischaffen könnten ehe der Kadaver verrottet. 

Danach verliert sich aber die Spur des Wesens, in späteren Ausgaben des Epitaph wird nicht weiter darüber berichtet. Zwar finden sich in Büchern (und im Internet) Geschichten, dass zu einem späteren Zeitpunkt ein Foto des Wesens angefertigt wurde, das an einer Scheunenwand aufgehängt worden war, die Schwingen ausgebreitet und fünf Männer, die mit ausgestreckten Armen vor der Kreatur standen, noch immer überragte. Aber von einem solchen Foto fällt bis heute jede Spur... und so dürfte auch diese Erzählung nur ein weiterer Mythos aus dem Wilden Westen sein.


Montag, 27. Mai 2024

"Die Besitzer von Rinderherden im großen Südwesten sind die erklärten Feinde der Schafzüchter"

 Die große Zeit der Rinderherden auf der Open Range wird oft romantisch verklärt, doch um das offene Weideland wurde bisweilen regelrecht Krieg geführt - zumindest von einer Seite: Den Rinderzüchtern, ob groß oder klein, war die Präsenz von Schafen auf dem Weideland regelrecht verhasst! Schafe, so hieß es, fräßen die Landschaft derart kahl, dass in der nächsten Saison kein Gras mehr für die Rinder nachwachse; sie jagten Rindern Angst ein und treibe Sie zur Flucht; sie brächten Krankheit und verbreiteten Gestank, so dass die Rinder Tränken meiden würden. Die Wahrheit war für gewöhnlich viel banaler: Die Rinderzüchter wollten keine Konkurrenz um "ihr" Weideland sehen, und nutzen ihre personelle Stärke - Rinderzüchter konnten viele Ranchhands und Cowboys anheuern, während Schafhirten meist nur in geringer Zahl zu zweit oder zu dritt unterwegs waren - aus, um die Konkurrenz einzuschüchtern - gelegentlich mit fatalem Ausgang.

Auch wenn die "Schafkriege" meist in das Ende des 19. Jahrhunderts gelegt werden, brannte der Konflikt für eine sehr lange Zeit: Bereits am 13.Oktober 1877 titelte die Wochenzeitschrift "Harper's Weekly" landesweit, dass in den Plains des Südwestens - womit meist die Regionen Arizona, New Mexico,  Colorado, Nevada, Oklahoma, Texas und Utah gemeint sind - die Rinderbarone den Schafzüchtern ewige Feindschaft geschworen hätten. Speziell in Colorado seien vermummte Cowboys, die Schafhirten bedrohen und Schafherden auf offener Weide keulen oder erschießen, keine Seltenheit:





Diese Konflikte flammten stets von neuem auf, mal in größerer, mal kleinerer Form, und dauerten bis ins 20. Jahrhundert an. Einer der letzten - und gemessen an verlorenen Menschenleben wohl auch tödlichsten - "Sheep Wars", der sogenannte "Spring Creek Raid", ereignete sich am 2. April 1909 in Wyoming: eine Gruppe von 7 vermummten Cowboys überfiel das Nachtlager von drei Schafhirten auf offener Weide. Die Auseinandersetzung endete blutig: zwei Schafhirten verbrannten in ihrem Schäferwagen. Doch die Zeit der übermächtig wirkenden Rinderbarone neigte sich dem Ende entgegen: Hatten in den 50 Jahren zuvor meist die Rinderzüchter die Oberhand behalten, kamen die Täter des Spring Creek Raid - man entschuldige den Wortwitz - nicht ungeschoren davon.

Donnerstag, 16. Mai 2024

"Über Spinnen in Colorado sollte man nicht lachen"

Achtung: Dieses Fundstück ist nichts für Arachnophobiker! 

Eines heutzutage weniger bekanntes, aber in Zeitungen des 19. Jahrhundert sehr verbreitetes Trope des Wilden Westens waren Erzählungen über die gigantischen oder seltsamen Kreaturen, die an der weit entfernten Frontier hausten. Einige dieser Schilderungen scheinen direkt aus einem Horrorfilm entsprungen zu sein. Als altem, erklärtem Fan des Rollenspiels Deadlands freue ich mich immer wieder über solche kurzen Notizen oder Berichte, die mehr als genug Futter für ein weiteres Western-Horror-Abenteuer im "Weird West" dienen könnten.

So etwa auch dieser kurze Beitrag aus dem "Potter Enterprise" aus Cloudersport, Pennsylvania, vom 1. Juli 1880, der etwas über die "Vogelgroßen, merkwürdige Geräusche" machenden Spinnen von Colorado erzählt, deren Spinnweben so fest seien, dass man damit sogar nähen könne...


"Über Spinnen in Colorado sollte man nicht lachen. In einer Höhle in der Nähe von Buena Vista sind sie so groß wie kleine Vögel und geben beim Weben ihres Netzes ein seltsames Geräusch von sich. Bei der Besichtigung der Höhle untersuchte ein Bergmann die Netze. Ihre Fäden hatten etwa die Größe eines 12er Fadens, und er dachte, dass man sie für einen Faden verwenden könnte. Da er eine Nadel hatte, brach er einen der Fäden ab und stellte fest, dass er genau passte. Als er einen losen Knopf annähte, stellte er fest, dass er so stark wie Seide war und jeden Zweck erfüllte."

Mittwoch, 15. Mai 2024

Belle Starr: "Ich habe eine beträchtliche Ignoranz zu ertragen"

Belle Starr, geboren Myra Maybelle Shirley, stammte aus einer wohlhabenden Familie aus Missouri, wurde an einer Schule für feine Damen in Fremdsprachen und Etikette unterrichtet, ehe die Shirleys durch den Bürgerkrieg ihr Vermögen verloren und in Texas einen Neuanfang wagen sollten. Über ihren im Bürgerkrieg gefallenen Bruder, der mit den berüchtigten Quantrill's Raiders unter konföderierter Fahne ritt, lernte sie Jesse James und Cole Younger kennen - und sollte fortan viel Zeit im Umfeld weiterer berühmt-berüchtigter Outlaws verbringen. (Wir haben ihr Leben in der Podcast-Folge zu Belle Starr näher behandelt).

Schon während Ihrer Ehe mit Jim Reed, einem Weggefährten der Cole-Younger-Gang, wurden Ihr Verbrechen (oder wenigstens die Mitwissenschaft darüber) vorgeworfen. Nach dem Tod ihres ersten Ehemannes zog Sie ins Indianerterritorium, genau genommen in die Cherokee Nation, und heiratete mit Sam Starr einen weiteren steckbrieflich gesuchten Outlaw. Es mag wenig überraschen, dass Ihre freundschaftliche Nähe zu einigen der berüchtigtsten Outlaws dieser Zeit und Ihre Entscheidung, einen Cherokee zu heiraten, unter der weißen Bevölkerung des Oklahoma Territories mit Argwohn wahrgenommen wurde - was nur noch mehr zu ihrem Ruf beitragen sollte, eine "Banditenkönigin ("Queen of the Outlaws" zu sein).

Aber wie stand belle Starr selbst zu diesem Ruf? Etwa zwei Wochen nach ihrer bis heute ungeklärten Ermordung druckte der Talequah Arrow, eine in den Cherokee Nations erschienene Zeitung, einen Abriss über Ihr Leben ab, den sie mutmaßlich selbst verfasst hatte. Der Text zeichnet ein Bild von einer sehr gebildeten Frau, die von der sogenannten Zivilisation der anderen Amerikaner enttäuscht und verbittert war, eine Frau, die ihre eigenen Entscheidungen traf und sich wenig um die Meinung anderer "zivilisierter" Männer und Frauen scherte. In ihm bezeichnet Sie Jesse James als guten Freund, distanziert sich von der "Gesellschaft anderer Frauen (die ich durch und durch verabscheue)" und beklagt die Ignoranz einer "niederen Schicht schäbiger Weißer, die das Indianerterritorium zu ihrem Zufluchtsort gemacht haben, um keine Steuern für ihre Hunde zu zahlen." Es ist das Testament einer Frau, die mit der Gesellschaft ihrer Zeit abrechnet und beschlossen hat, ihren eigenen Weg zu gehen und bewusst kein Teil dieser Gesellschaft zu sein - was sie auf Ewigkeit als eine "Outlaw Queen" zeichnen sollte.

Belle Starr about herself - part 1Belle Starr about herself - part 1 21 Feb 1889, Thu The Tahlequah Arrow (Tahlequah, Oklahoma) Newspapers.com

Belle Starr about herself - part 2Belle Starr about herself - part 2 21 Feb 1889, Thu The Tahlequah Arrow (Tahlequah, Oklahoma) Newspapers.com

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Dienstag, 7. Mai 2024

"Ein Schreckliches Gefecht Zwischen Pinkerton's Detektiven und den James-Brüdern"

 In unserer Podcast-Episode zu den Pinkerton's erwähnten wir den regelrechten Krieg, den Alan Pinkerton in der Jagd auf die Outlaws Jesse und Frank James vom Zaun brach. Wie in der Western Unchained Folge angesprochen hatte Pinkerton's National Detective Agency in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens wegen ihrer Fahdnungserfolge - etwa beim Aufdecken eines Attentats auf Abraham Lincoln oder der Jagd auf die Reno-Gang - bereits einen fast sagenhaften Ruf erarbeitet. 

Doch mit der Jagd auf die James-Brüder erlitt der Ruf einen beträchtlichen Schaden. Zum einen lag dies sicherlich daran, dass die Pinkerton's bei den Versuchen, Mitglieder der berüchtigten Cole-Younger-Gang zu fassen, mehrere Agenten verlor und wenige Erfolge vorzuweisen hatte. Das frustrierte Alan Pinkerton persönlich, und sollte am 27. Januar 1875 schließlich in einem regelrechten Anschlag auf die Behausung von Zerelda James, der Mutter von Jesse und Frank James, gipfeln, als Agenten - oder von den Agenten angestachelte Handlanger - in der Fehlannahme, die James-Brüder befänden sich in der Behausung - mit tragischem Ausgang. Die gescheiterte Verhaftung, bei der Mrs. James einen Arm und der gerade 8-jährige Halbbruder von Jesse und Frank James sein Leben verlor, sorgte Bundesweit für Schlagzeilen, wie etwa dieser Artikel aus der Chicago Daily Tribune vom 28. Januar 1875 belegt.

Quelle: Chronicling America, Library of Congress


Der Vorfall sollte einen Wendepunkt darstellen, nicht nur in der Art, wie die Öffentlichkeit die Pinkertons wahrnahm, sondern auch im öffentlichen Ansehen von Jesse und Frank James. Sicher, die James-Brüder hatten bereits zuvor gerade unter ehemaligen Konföderierten den Ruf, Rächer der entrechteten Konföderation zu sein. Die Pinkerton's galten dagegen als geheimnisvolle, aber letztlich doch eifrige Verfechter des Gesetzes. Doch mit dem schlecht beratenem Anschlag schlug das Pendel der Öffentlichen Wahrnehmung um: Die James-Brüder erhielten nun umso mehr den Ruf einer Art Robin Hood des Wilden Westens zu sein, die sich gegen Tyrannei und unangemessen schwerer Verfolger zur Wehr setzen mussten. Die Pinkerton's hingegen erhielten wegen ihrer undurchsichtigen Art der Ermittlung und ihrem skrupellosen Vorgehen den Ruf, wenig besser als gedungene Mörder zu sein, die sich nun der gerechten Rache der James-Brüder ausgesetzt sehen müssen, wie etwa der Nashville Union and American (Nashville, Tennessee) am 9. Februar 1875 ausführte,


Quelle: Chronicling America, Library of Congress





Freitag, 3. Mai 2024

"Des Pudel's Friseur"

 Western ist ja oft das Zusammentreffen von Wildnis und Zivilisation. Entsprechend ist es oft eine Mischung aus Verwunderung und Faszination, mit der Zeitungen in den "Wildwest"-Regionen jener Zeit über die Trends in "den großen Städten" berichten. Anaconda war mit um die 9000 Einwohner um die Jahrhundertwende eine der größten Städte Montana (und zeitweise gar als Hauptstadt des Staates im Gespräch). Dennoch konnte der Redakteur des Anaconda Standard nicht umhin, über die "lukrative Profession" zu berichten, die "einige Frauen in den großen Städten" vor 125 Jahren für sich entdeckt haben, eine "gut bezahlte, einfache, simple Arbeit", die nicht Recht in das typische Bild des Wilden Westens passen dürfte: Die eines "Pudel-Friseurs"!

"The Poodle's Barber" (1899) 12 Feb 1899, Sun The Anaconda Standard (Anaconda, Montana) Newspapers.com

Flora Mundis alias Tom King (Teil 2) – Wie sich Legenden bilden

"Desperado Tom King erschießt einen ihrer Verfolger" – mit dieser markigen Überschrift macht der Guthrie Daily Leader am 17.12.189...